Du bist zu empfindlich - was solche Sätze mit deinem Nervensystem machen
Shownotes
„Stell dich nicht so an.“ „Du übertreibst.“ „Du nimmst dir aber auch alles zu Herzen.“
Vielleicht haben dich solche Aussagen schon seit deiner Kindheit begleitet. Vielleicht hast du irgendwann begonnen, deine eigenen Gefühle infrage zu stellen, deine Tränen zurückzuhalten oder dich für deine Verletzlichkeit zu schämen.
Doch was passiert eigentlich in unserem Gehirn und Nervensystem, wenn unsere Gefühle immer wieder abgewertet werden?
In dieser Folge von Love, Peace & Consciousness sprechen wir über emotionale Invalidierung, ihre möglichen langfristigen Auswirkungen und darüber, warum unser Nervensystem manchmal besonders empfindlich auf Kritik, Ablehnung und zwischenmenschliche Spannungen reagiert.
Du erfährst:
- Was emotionale Invalidierung bedeutet und wie du sie erkennst.
- Worin der Unterschied zwischen emotionaler Invalidierung und Gaslighting liegt.
- Warum frühere Erfahrungen unsere heutigen emotionalen Reaktionen beeinflussen können.
- Weshalb wir Gefühle nicht unterdrücken müssen, um innerlich stark zu werden.
- Wie du lernst, deinen Gefühlen wieder mehr zu vertrauen und gesunde Grenzen zu setzen.
- Diese Folge ist eine liebevolle Einladung, dich selbst mit anderen Augen zu betrachten.
- Denn vielleicht bist du nicht zu empfindlich. Vielleicht hast du einfach zu oft gehört, dass deine Gefühle falsch sind.
Wenn du dir mehr Verbindung zu deinem Körper und deinem Nervensystem wünschst, begleite ich dich gerne in meinen Breathwork-Sessions und Breathwork-Reisen.
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Podcastfolge mit Petra über ihre Erfahrungen der Breathwork-Reise - HIER entlang
Smile & breathe Natalie
Transkript anzeigen
Speaker0: Dann kommt wieder so ein Abend. Jemand macht beim Essen einen Witz auf deine Kosten.
Speaker0: Du lachst mit, obwohl dir das
Speaker0: vielleicht einen Stich versetzt und dann wechselst du schnell das Thema.
Speaker0: Du schluckst deine Tränen hinunter und später, wenn du im Auto alleine bist,
Speaker0: kommt plötzlich alles hoch.
Speaker0: So schön, dass du heute wieder mit dabei bist zu einer neuen Folge von Love,
Speaker0: Peace and Consciousness.
Speaker0: Und heute wollen wir gemeinsam über ein Thema sprechen, das,
Speaker0: glaube ich, unglaublich viele Menschen betrifft und vielleicht auch dich.
Speaker0: Und vielleicht kennst du solche Sätze und die kommen ja sogar ziemlich häufig im Alltag vor.
Speaker0: Du bist einfach zu sensibel oder du nimmst dir auch alles zu Herzen oder stell dich doch nicht so an.
Speaker0: Das habe ich doch gar nicht so gemeint. Du musst dir ein dickeres Fell zulegen.
Speaker0: Dir kann man auch gar nichts sagen. Und vielleicht wurden dir auch solche Sätze
Speaker0: von Menschen gesagt, die dir nahestehen.
Speaker0: Von deinen Eltern, von deinen Partnern, deiner Partnerin, von Freunden, Kolleginnen.
Speaker0: Oder vielleicht auch sogar von Menschen, deren Meinung dir ganz besonders wichtig ist.
Speaker0: Und vielleicht hast du dann auch irgendwann angefangen, diese Aussagen zu glauben.
Speaker0: Vielleicht hast du dich gefragt, bin ich wirklich zu empfindlich?
Speaker0: Oder warum berühren mich manche Dinge so sehr?
Speaker0: Warum kann ich über manche Dinge nicht einfach so hinwegsehen,
Speaker0: wie manche Menschen auch?
Speaker0: Und besonders traurig finde ich immer, dass wir ganz unterschiedlich mit uns umgehen.
Speaker0: Wir unterscheiden total, ob jetzt eine Freundin, eine Kollegin,
Speaker0: ein Partner was sagt oder wie wir selbst mit uns umgehen.
Speaker0: Wenn dir zum Beispiel eine Freundin sagt, dass sie erschöpft ist,
Speaker0: fragst du nach und hörst zu und bei dir selbst sagst du dir,
Speaker0: dann reiß dich zusammen.
Speaker0: Wir behandeln uns häufig wesentlich unfreundlicher, als wir es tun könnten.
Speaker0: Und deshalb möchte ich heute eine Frage mit dir teilen.
Speaker0: Was wäre denn, wenn du gar nicht zu sensibel bist? Was wäre,
Speaker0: wenn deine Gefühle nicht das Problem sind?
Speaker0: Was wäre, wenn deine Reaktionen möglicherweise eine Geschichte haben?
Speaker0: Denn wenn dein Nervensystem über so viele Jahre gelernt hat,
Speaker0: besonders aufmerksam auf Reaktionen anderer Menschen zum Beispiel zu achten,
Speaker0: dann hinterlässt das Spuren.
Speaker0: Und wir schauen heute auch nochmal auf dein Nervensystem und darauf,
Speaker0: warum manche Sätze von anderen Menschen uns so stark triggern und warum wir
Speaker0: dann so stark reagieren.
Speaker0: Ich höre dir die Podcast-Folge auf jeden Fall bis zum Ende an,
Speaker0: denn ich möchte auch nochmal mit dir darüber sprechen, dass es ein kompletter
Speaker0: Unterschied ist, wenn du Gefühle regulierst und wenn du sie unterdrückst.
Speaker0: Und ich möchte zum Start mal ein kleines Gedankenexperiment mit dir machen.
Speaker0: Ich möchte dich dazu einladen und stell dir mal vor, du erzählst einem Menschen,
Speaker0: dass dich eine Bemerkung verletzt hat.
Speaker0: Vielleicht war es ein Kommentar über dein Aussehen, vielleicht eine abwertende
Speaker0: Aussage über deine Arbeit oder wie so häufig ein vermeintlich harmloser Witz auf deine Kosten.
Speaker0: Und du nimmst all deinen Mut zusammen und sagst, weißt du, das hat mich gerade wirklich verletzt.
Speaker0: Und dein Gegenüber antwortet dann vielleicht, ach komm schon,
Speaker0: sei doch nicht so sensibel oder es war doch nicht so gemeint oder du übertreibst.
Speaker0: Und was passiert denn in diesem Moment?
Speaker0: Eigentlich wolltest du was mitteilen. Du wolltest zeigen, du wolltest mitteilen, wie es dir geht.
Speaker0: Und vielleicht wolltest du auch einfach nur verstanden werden.
Speaker0: Aber plötzlich geht es gar nicht mehr um die Bemerkung, die dich verletzt hat.
Speaker0: Plötzlich geht es um dich, um deine angebliche Überempfindlichkeit, um deine Reaktion.
Speaker0: Und vielleicht beginnst du dich dann auch zu rechtfertigen. Auch das kommt immer wieder vor.
Speaker0: Und vielleicht sagst du solche Sätze wie, ja, ich habe doch gar nicht überreagiert
Speaker0: und das hat mich wirklich verletzt oder es tut mir leid, ich wollte kein Drama daraus machen.
Speaker0: Und mir ist wichtig, dass du hier einmal genau hinschaust. Merkst du plötzlich,
Speaker0: wie sich die Situation verändert?
Speaker0: Du hast deine Verletzung angesprochen. Und plötzlich wirst du zu einem Menschen,
Speaker0: der sich für seine Verletzung entschuldigt.
Speaker0: Und dafür gibt es in der Psychologie auch einen Begriff und ja,
Speaker0: die emotionale Invalidierung.
Speaker0: Und kurzer Hinweis vorab, diese Podcast-Folge ist natürlich kein Ersatz für
Speaker0: eine psychologische Beratung, für Unterstützung, für Therapie,
Speaker0: was auch immer du gerade brauchst.
Speaker0: Da such dir wirklich einen Therapeuten, wenn du merkst, dass du da auch nochmal
Speaker0: Hilfestellung brauchst, einen Arzt, dass du Unterstützung brauchst.
Speaker0: Und ich möchte aber, dass dir die Podcast-Folge im Alltag so ein bisschen hilft
Speaker0: und dich vielleicht auch so ein bisschen sensibler macht und dir sagt,
Speaker0: du bist nicht falsch, du bist auch nicht zu sensibel, es ist okay, so wie du bist.
Speaker0: Und die emotionale Invalidierung bedeutet im Endeffekt, dass etwas für ungültig
Speaker0: erklärt wird oder dass es entwertet wird oder nicht anerkennt wird.
Speaker0: Und in der Psychologie versteht man darunter
Speaker0: Verhaltensweisen, durch die die Gefühle, emotionale Erfahrungen oder subjektive
Speaker0: Wahrnehmungen eines anderen Menschen zurückgewiesen, abgewertet,
Speaker0: lächerlich gemacht oder als unangemessen dargestellt werden.
Speaker0: Und das kommt eben offensichtlich vor mit Sätzen, wie du übertreibst oder das
Speaker0: ist doch kein Grund, traurig zu sein.
Speaker0: Oder andere Menschen haben viel größere Probleme, mach kein Drama.
Speaker0: Oder auch bei Kindern, hör jetzt endlich auf zu weinen. Aber die emotionale
Speaker0: Invalidierung, die kann eben auch viel subtiler sein.
Speaker0: Vielleicht kommen Sätze vor,
Speaker0: wie wenn du jemandem erzählst, wie erschöpft bist und wie ermüdet du bist.
Speaker0: Und dass die Antwort deines Gegenüber dann laut ist, naja, andere Menschen schaffen das ja auch.
Speaker0: Oder vielleicht, dass du dich in einer bestimmten Situation total unwohl gefühlt
Speaker0: hast und jemand sagt, ach, das bildest du dir aber nur ein.
Speaker0: Oder was wir eben am Anfang hatten, ja, du erzählst, dass dich eine Aussage
Speaker0: verletzt hat und dein Gegenüber antwortet, du verstehst aber auch überhaupt
Speaker0: keinen Spaß oder du übertreibst.
Speaker0: Und diese Aussagen sind so ganz unterschiedlich, ganz subtil,
Speaker0: ja, aber was all diese Aussagen gemeinsam haben, ist, dass sie deinem emotionalen
Speaker0: Erleben absolut keinen Traum geben.
Speaker0: Dein Gefühl wird nicht erkundet, dein Gefühl wird gar nicht zugelassen.
Speaker0: Es wird bewertet, es wird abgewertet und dabei ist es wichtig zu verstehen,
Speaker0: dass emotionale Validierung,
Speaker0: nicht bedeutet, dass wir jeden Menschen in allen Recht geben müssen.
Speaker0: Stell dir vor, eine Freundin von dir erzählte, dass sie sich von dir zurückgewiesen,
Speaker0: oder ein bisschen zurückgesetzt, abgewiesen gefühlt hat, weil du nicht sofort geantwortet hast.
Speaker0: Und du weißt aber, dass du an diesem Tag unglaublich viel zu tun hattest und
Speaker0: du wolltest sie nicht zurückweisen.
Speaker0: Und hier gibt es dann eben zwei Möglichkeiten. Du könntest sagen...
Speaker0: Ja, stell dich nicht so an. Ja, ich kann doch nicht ständig erreichbar sein.
Speaker0: Das ist die eine. Oder du könntest sagen, ich verstehe, dass du dich in diesem
Speaker0: Moment vielleicht allein gefühlt hast.
Speaker0: Das war nicht meine Absicht, aber ich hatte einfach unglaublich viel zu tun.
Speaker0: Und merkst du hier den Unterschied? In dem einen Beispiel wertest du ab und
Speaker0: in dem anderen Beispiel erkennst du das Gefühl deiner Freundin an.
Speaker0: Du bestätigst aber nicht automatisch
Speaker0: ihre Interpretation, dass du sie absichtlich zurückgewiesen hast.
Speaker0: Und genau das ist die emotionale Invalidierung.
Speaker0: Wir können anerkennen, dass Menschen etwas fühlen, ohne seine gesamte Bewertung
Speaker0: einer Situation übernehmen zu müssen.
Speaker0: Ja, wir dürfen unterschiedliche Perspektiven haben, wir dürfen unterschiedliche
Speaker0: Meinungen haben, wir dürfen Grenzen setzen, wir dürfen auch sagen, ich sehe das anders.
Speaker0: Aber wir können dabei respektvoll mit den Gefühlen anderer umgehen.
Speaker0: Und vielleicht wäre unsere Welt auch ein bisschen friedlicher,
Speaker0: wenn wir häufiger versuchen würden, einander zu verstehen, bevor wir anfangen,
Speaker0: die Gefühle anderer zu bewerten.
Speaker0: Und das ist, finde ich, so ein unglaublich wichtiger Schlüssel,
Speaker0: wenn wir miteinander kommunizieren, wenn wir mit Menschen zusammenleben.
Speaker0: Dass wir hier eben erstmal gucken, ah ja,
Speaker0: was ist denn da dahinter, ja, warum fühlt der so oder das Gefühl einfach anerkennen,
Speaker0: den Gefühl Raum geben, das ist ja schon mal der erste Schritt und dann in die Kommunikation gehen.
Speaker0: Und du siehst hier den Unterschied und gerade diese subtilen abwertenden Sätze,
Speaker0: die fallen uns ja häufig im Alltag gar nicht auf, wenn wir da nicht wirklich
Speaker0: gezielt drauf schauen, wenn wir dafür sensibel werden,
Speaker0: was da gerade so vonstatten geht, weil das sind ja häufig Reaktionen oder Sätze,
Speaker0: die man im Alltag wirklich hört.
Speaker0: Und viele sehen das als vollkommen normal. Die sehen gar nicht,
Speaker0: wie sehr sie die anderen Menschen verletzen und die machen das ja auch nicht
Speaker0: absichtlich, dass sie andere Menschen verletzen, sondern für sie ist das einfach der normale Umgang.
Speaker0: Und ich kenne das auch selbst von mir aus meiner Kindheit, aus meiner Jugend,
Speaker0: aus meinen frühen Zwanzigern, wo solche Sätze kamen.
Speaker0: Und ich musste das auch erst lernen, hier wirklich auch eine Grenze zu setzen
Speaker0: und zu sagen, nee, so geht das nicht, weil es einfach als normal angesehen wird.
Speaker0: Und das stell dir jetzt eben mal vor, wenn du solche Reaktionen eben nicht nur
Speaker0: gelegentlich erlebst, sondern immer wieder, was ich gerade bereits sagte,
Speaker0: als Kind, als Jugendlicher,
Speaker0: du bist traurig oder jemand sagt, dafür musst du doch jetzt nicht weinen oder
Speaker0: du hast Angst und du hörst, sei kein Angsthase.
Speaker0: Oder du bist wütend und du musst dir anhören, so benimmt man sich nicht.
Speaker0: Ja, was lernen dann Kinder möglicherweise daraus?
Speaker0: Vielleicht lernen sie, meine Gefühle sind falsch, ja, oder ich darf nicht traurig
Speaker0: sein. Wut ist absolut nicht erlaubt. Ich muss meine Gefühle verstecken,
Speaker0: damit ich angenommen werde.
Speaker0: Und wenn solche Erfahrungen häufig vorkommen, können sie beeinflussen,
Speaker0: wie wir später mit unseren eigenen Emotionen umgehen.
Speaker0: Und nicht jeder Mensch reagiert gleich, aber wiederholte emotionale Erbwertung
Speaker0: kann es erschweren, den eigentlichen Gefühlen zu vertrauen und auch einen hilfreichen
Speaker0: Umgang mit ihnen zu entwickeln.
Speaker0: Ja, vielleicht ist das etwas, das du aus deinem eigenen Leben kennst.
Speaker0: Vielleicht bist du traurig, ja, aber statt dich zu fragen, was brauchst du gerade,
Speaker0: fragst du dich, darf ich überhaupt traurig sein?
Speaker0: Oder du bist wütend und statt zu überlegen, welche Grenzen vielleicht überschritten
Speaker0: wurden, denkst du, ich darf doch gar nicht so reagieren.
Speaker0: Und irgendwann ist es soweit, dass du fast die Erlaubnis eines anderen Menschen
Speaker0: brauchst, um deine eigenen Gefühle ernst nehmen zu können.
Speaker0: Und hier möchte ich dir was ganz Wichtiges mitgeben.
Speaker0: Deine Gefühle müssen nicht von anderen Menschen genehmigt werden,
Speaker0: damit du sie wahrnehmen darfst.
Speaker0: Deine Gefühle dürfen da sein, auch wenn andere Menschen sie nicht verstehen.
Speaker0: Was ganz häufig ist, was immer wieder auftaucht, dass Menschen sich anhören
Speaker0: müssen, ja du reagierst so sensibel.
Speaker0: Ja und da möchte ich dir heute noch was Wichtiges mitgeben. Deine Sensibilität,
Speaker0: ist zunächst mal keine Schwäche.
Speaker0: Menschen unterscheiden sich darin, wie intensiv sie Reize wahrnehmen und verarbeiten.
Speaker0: Manche merken sehr schnell kleine Veränderungen in ihrer Umgebung.
Speaker0: Andere reagieren stärker auf Geräusche, Stimmungen oder auch auf soziale Spannungen.
Speaker0: Und andere Menschen erleben die Emotionen eben besonders intensiv.
Speaker0: Und andere Menschen benötigen wieder nach belastenden Situationen etwas mehr
Speaker0: Zeit, um wieder zur Ruhe zu finden.
Speaker0: Und auch nicht jeder Mensch, der emotional stark reagiert, ist automatisch hochsensibel.
Speaker0: Unsere Reaktionen werden durch so viele Faktoren beeinflusst.
Speaker0: Durch Temperament, Lernerfahrungen, aktuellen Stress, Beziehungen,
Speaker0: die körperliche Verfassung, die Lebensgeschichte.
Speaker0: Ja, also da spielt so unglaublich viel rein.
Speaker0: Und vielleicht kennst du ja auch Menschen, die auf Kritik vollkommen unterschiedlich reagieren.
Speaker0: Der eine zuckt vielleicht mit den Schultern, vielleicht kennst du auch so einen
Speaker0: Menschen und sagst, naja, das ist eben die Meinung des anderen.
Speaker0: Und der andere Mensch denkt eben noch lange darüber nach. Vielleicht macht es
Speaker0: ihn auch traurig, vielleicht fühlt er sich abgelehnt, vielleicht wird er wütend.
Speaker0: Und dieser Mensch fragt sich vielleicht, was habe ich falsch gemacht?
Speaker0: Und beide Reaktionen können komplett unterschiedliche Ursachen haben.
Speaker0: Und kein Mensch macht das eine deswegen besser oder schlechter.
Speaker0: Es ist eine vollkommen normale biologische menschliche Reaktion,
Speaker0: sowohl bei dem einen als auch bei dem anderen.
Speaker0: Deswegen ist der eine nicht sensibler, deswegen ist der eine nicht weniger wert,
Speaker0: deswegen muss der eine nicht abgewertet werden oder man verdreht die Augen oder
Speaker0: was auch immer so im Alltag passiert.
Speaker0: Denn gerade bei den Menschen, die sehr stark auf emotionale,
Speaker0: zwischenmenschliche Spannungen reagieren, hier lohnt es sich wirklich einmal
Speaker0: genauer auf das Nervensystem zu schauen.
Speaker0: Denn unser Nervensystem ist eben nicht nur dafür verantwortlich,
Speaker0: dass wir körperlich auf Gefahren reagieren.
Speaker0: Es ist auch an der Verarbeitung emotionaler und sozialer Erfahrungen beteiligt.
Speaker0: Und genau da wird es eben interessant.
Speaker0: Ja, denn vielleicht bist du selbst auch in einem Umfeld aufgewachsen,
Speaker0: in dem die Stimmung manchmal schwer vorhersehbar war.
Speaker0: Vielleicht wusstest du nie genau, wann jemand verärgert sein würde.
Speaker0: Vielleicht gab es Menschen, die schnell laut wurden oder Menschen,
Speaker0: die sich zurückgezogen haben, wenn sie enttäuscht waren.
Speaker0: Oder du musstest früh lernen, besonders aufmerksam zu sein. Ja,
Speaker0: du hast auf Gesichtsausdrücke geachtet, aufzutauscht. einen Tonfall,
Speaker0: auf kleine Veränderungen in der Körpersprache.
Speaker0: Und vielleicht könntest du auch als Kind schon ziemlich gut erkennen,
Speaker0: wann jemand schlechte Laune hatte.
Speaker0: Und dann hast du vielleicht dich auch versucht entsprechend zu verhalten,
Speaker0: ja, dass du besonders lieb warst, dass du keine Schwierigkeiten gemacht hast,
Speaker0: dass du nicht widersprochen hast, um eben die Stimmung zu verbessern. Und.
Speaker0: Hier ist mir nur wichtig auch zu sagen, nicht jedes Kind, das sich so verhält,
Speaker0: entwickelt später Schwierigkeiten mit Stressregulation.
Speaker0: Und nicht jede sensible Reaktion hat die Ursache in der Kindheit.
Speaker0: Aber frühe Beziehungserfahrungen können beeinflussen, wie wir eben später in
Speaker0: sozialen Situationen reagieren und diese bewerten.
Speaker0: Denn unser Gehirn lernt ja eben durch Erfahrungen. Es erkennt Muster,
Speaker0: es bildet Erwartungen, es versucht uns auf Situationen vorzubereiten.
Speaker0: Und wenn wir eben häufig erlebt haben, dass bestimmte Gesichtsausdrücke,
Speaker0: Tonfälle mit Konflikten verbunden waren, können ähnliche Signale eben später
Speaker0: schnell Stress auslösen.
Speaker0: Und vielleicht merkst du das heute daran, dass du sofort unruhig bist,
Speaker0: wenn jemand anders spricht als gewöhnlich.
Speaker0: Wenn dein Partner plötzlich still ist, wenn die Kollegin kurz angebunden ist,
Speaker0: wenn jemand nicht auf deine Nachrichten antwortet und vielleicht fragst du dich
Speaker0: dann sofort, habe ich was falsch gemacht, ist die Person sauer auf mich,
Speaker0: was muss ich tun, damit wieder alles gut wird?
Speaker0: Und dann reagierst du möglicherweise eben nicht nur auf die aktuelle Situation,
Speaker0: sondern auch auf das, was du aufgrund früherer Erfahrungen erwartest.
Speaker0: Denn dein Gehirn nutzt eben die Erinnerungen und die gelernten Zusammenhänge,
Speaker0: um neue Situationen einzuordnen.
Speaker0: Und manchmal bewertet es eben die mehrdeutigen sozialen Signale vorsichtiger,
Speaker0: als das vielleicht in der aktuellen Situation notwendig wäre.
Speaker0: Ja, das kannst du dir wirklich wie einen Rauchmelder vorstellen.
Speaker0: So ein Rauchmelder ist ja an sich was Wunderbares. Ja, es kann Leben retten.
Speaker0: Aber wenn er so empfindlich eingestellt ist, der Rauchmelder,
Speaker0: dass er jedes Mal Alarm schlägt, sobald du zum Beispiel einen Toast machst oder
Speaker0: was in der Pfanne brätst, wird das auf Dauer verdammt anstrengend.
Speaker0: Nicht, weil der Rauchmelder schlecht ist, sondern weil er eben bei harmlosen
Speaker0: Situationen schnell reagiert.
Speaker0: Und ähnlich kannst du das wirklich mit deinem Stresssystem vergleichen.
Speaker0: Es versucht dich zu schützen, aber manchmal reagiert es einfach besonders stark,
Speaker0: auch wenn überhaupt keine Bedrohung vorliegt.
Speaker0: Vielleicht hilft dir das auch, dieses Bild freundlicher mit dir umzugehen und
Speaker0: auch mal ein bisschen liebevoller zu dir zu sein.
Speaker0: Denn deine Reaktionen sind nicht einfach nur eine Schwäche,
Speaker0: Vielleicht ist sie auch ein erlerntes Muster, das mal hilfreich für dich war,
Speaker0: und das darfst du dann eben heute ganz behutsam verändern.
Speaker0: Und vielleicht geht es dir auch wie mir, ja, bei manchen Sätzen merke ich wirklich
Speaker0: körperlich, wie mich das trifft.
Speaker0: Ja, dass ich einen Druck in der Brust habe, dass mir das Herz wehtut,
Speaker0: dass meine Atmung mein Herz schneller schlägt. Ja, vielleicht bist du auch so ein Mensch.
Speaker0: Dann schreib mir das auch gerne mal in den Kommentaren, ja, weil es geht vielen
Speaker0: so und da merkst du auch, dass du nicht allein bist.
Speaker0: Dass du, wenn Sätze dich treffen, dass du ein Kloß im Hals hast,
Speaker0: dass du vielleicht gar nichts antworten kannst.
Speaker0: Druck auf der Brust, ein unangenehmes Gefühl im Bauch, das Herz,
Speaker0: die Atmung wird schneller.
Speaker0: Vielleicht werden auch deine Hände kalt oder du fängst auch an zu zittern.
Speaker0: Auch das passiert und auch das ist okay. Das darf auch sein,
Speaker0: wenn du so bist. Da sagt dir nicht, die anderen haben das nicht.
Speaker0: Das weißt du erstens mal gar nicht. Deswegen schreib mir da wirklich mal in die Kommentare rein.
Speaker0: Wie es dir da geht und ich wette, es geht fast allen Menschen so.
Speaker0: Es gibt immer wieder Situationen, wo wir dementsprechend reagieren und unser
Speaker0: Rauchmelder ein bisschen zu sensibel ist.
Speaker0: Und manchmal hört man dann eben Sätze wie, ja, das hat er doch nur so gesagt
Speaker0: oder das sind doch nur Worte.
Speaker0: Ja, das kenne ich noch aus meiner Kindheit. Ja, lass den doch reden,
Speaker0: das hat er doch nur so gesagt.
Speaker0: Ja, aber Worte sind so unglaublich mächtig.
Speaker0: Und Worte können für uns eine große emotionale Bedeutung haben.
Speaker0: Vor allem dann, wenn sie von Menschen kommen, die uns wichtig sind.
Speaker0: Soziale Zurückweisung, Kritik kann unglaublichen Stress auslösen.
Speaker0: Unser Gehirn verarbeitet soziale Erfahrungen nicht getrennt von unseren körperlichen Erlebnissen.
Speaker0: Und die verschiedenen Hirnregionen sind an der Verarbeitung von Emotionen,
Speaker0: körperlichen Empfindungen und der sozialen Bedrohung eben beteiligt.
Speaker0: Die Amygdala, da hast du bestimmt schon mal davon gehört eben,
Speaker0: die spielt so eine wichtige Rolle dabei, emotional bedeutsame Reize zu verarbeiten
Speaker0: und gelernte Bedrohungszusammenhänge eben zu erkennen.
Speaker0: Oder auch die Insulata, das ist auch ein Teil des Gehirns, ist unter anderem
Speaker0: auch an der Wahrnehmung innerer Körperzustände beteiligt.
Speaker0: Und über die Zusammenarbeit verschiedener Hirnregionen mit dem autonomen Nervsystem
Speaker0: können emotionale Situationen körperliche Veränderungen auslösen.
Speaker0: Und deshalb kann Kritik manchmal eben sich nicht nur unangenehm anfühlen,
Speaker0: sondern sich regelrecht bedrohlich anfühlen.
Speaker0: Ja, das sind dann eben auch die Situationen, wo du gar nicht mehr klar denken
Speaker0: kannst, wo dein Herz rast, wo du zitterst oder vielleicht auch manchmal so ein
Speaker0: bisschen in Panik gerätst oder auch in den Freeze-Zustand gerätst.
Speaker0: Hier möchte ich nur was ganz Wichtiges eben unterscheiden.
Speaker0: Nur weil eine Situation starke Stressreaktionen auslöst, bedeutet das nicht
Speaker0: automatisch, dass wir tatsächlich in Gefahr sind.
Speaker0: Ja, und auch nicht, dass unser Gegenüber uns bewusst verletzen wollte.
Speaker0: Das ist eben das, was ich auch schon sagte. Ja, vielen Menschen ist das gar
Speaker0: nicht bewusst, was sie sagen. Das ist vollkommen normal.
Speaker0: Und die Diskussionen habe ich auch schon endlos geführt bei manchen Menschen
Speaker0: und muss sie auch immer wieder führen und erklären und erklären,
Speaker0: warum mich das verletzt und dass man doch ein bisschen respektvoller miteinander umgeht.
Speaker0: Ja, weil es eben leider in unserer heutigen Gesellschaft so ein bisschen als normal gesehen wird.
Speaker0: Und wenn eben solche Reaktionen auf Kritik, auf abwertende Sätze bei dir auftauchen,
Speaker0: ist das okay und lass dir da auch nichts anderes einreden. Und diese körperlichen
Speaker0: Reaktionen zeigen zunächst erstmal, dass etwas für uns emotional bedeutsam ist.
Speaker0: Auch wenn das Gegenüber uns nicht verletzen wollte, aber es getan hat.
Speaker0: Es ist emotional bedeutsam.
Speaker0: Und das sind wichtige Informationen.
Speaker0: Es ist nicht immer ein vollständiges Urteil über eine Situation und häufig liegt
Speaker0: darin auch eine große Chance, aber erstmal ist es eine wichtige Situation.
Speaker0: Und die Chance, die darin steht, ist, dass du lernen kannst,
Speaker0: erstmal deine Gefühle überhaupt wieder wahrzunehmen, ohne irgendeine Interpretation,
Speaker0: für die einzige Wahrheit zu halten.
Speaker0: Ja, wenn wir sagen, das hat mich verletzt und neugierig bleiben gleichzeitig,
Speaker0: was genau hat mich denn da überhaupt so daran getroffen?
Speaker0: Ja, welche Bedeutung habe ich dieser Aussage gegeben?
Speaker0: Was brauche ich denn jetzt? Was braucht mein Körper jetzt?
Speaker0: Dann ist das schon ein ganz wichtiger Teil der emotionalen Selbstregulation.
Speaker0: Eben nicht die Gefühle wegzudrücken, sondern die Wahrnehmung.
Speaker0: Das Consciousness, das Bewusstsein dafür erstmal zu bekommen,
Speaker0: den Gefühlen, den Handlungen, dem Bewusstsein und dem ganzen Raum zu geben und
Speaker0: dadurch handlungsfähig zu sein.
Speaker0: Ja, indem du die Dinge bewusst wahrnimmst, trittst du ein Stück zurück.
Speaker0: Das hatte ich auch in den letzten Podcast-Folgen schon gesagt.
Speaker0: Du gibst den Dingen Raum, trittst ein Stück zurück, kannst dir das Ganze auch
Speaker0: mit einem gewissen Abstand anschauen und bleibst natürlich wesentlich handlungsfähiger.
Speaker0: Denn wenn du gelernt hast, deine Gefühle zu verstecken, und das haben wir,
Speaker0: glaube ich, alle, dann möchte ich, dass du jetzt mal genau zuhörst.
Speaker0: Ich möchte einmal kurz auf den Satz zurückkommen, du bist zu sensibel.
Speaker0: Denn manchmal sind es nicht die einzelnen Worte, die langfristig besonders prägend
Speaker0: sind, sondern das, was wir daraus über uns selbst gelernt haben.
Speaker0: Vielleicht hast du durch diesen Satz irgendwann begonnen zu glauben,
Speaker0: meine Gefühle sind zu fehlen, ich darf nicht so schnell weinen,
Speaker0: ich muss stärker werden, ich sollte mich nicht so anstellen,
Speaker0: ich muss es alleine schaffen.
Speaker0: Und vielleicht hast du dann auch in den letzten Jahren, in den letzten Jahrzehnten,
Speaker0: ganz egal wie lange, hast du es versucht, genau das umzusetzen.
Speaker0: Du hast deine Tränen heruntergeschluckt, du hast gelächelt, obwohl dir dich danach war.
Speaker0: Du hast gesagt, alles ist okay, es ist alles gut, obwohl überhaupt nichts gut war.
Speaker0: Und vielleicht warst du sogar ein bisschen stolz darauf, irgendwann nicht mehr
Speaker0: so viele Gefühle zu zeigen, darüber hinweg zu lächeln, deine Gefühle wegzudrücken.
Speaker0: Und da gibt es auch wieder ganz unterschiedliche Strategien.
Speaker0: In der Emotionsregulation und in der Emotionsforschung unterscheidet man auch
Speaker0: diese verschiedenen Strategien der Emotionsregulation.
Speaker0: Und eine davon nennt man die expressive Unterdrückung. Dabei versuchen wir,
Speaker0: den sichtbaren Ausdruck unserer Gefühle zu kontrollieren.
Speaker0: Du zeigst zum Beispiel nicht, dass du traurig bist. Du drückst deine Tränen
Speaker0: weg. Du zeigst nicht, dass du wütend bist.
Speaker0: Und in manchen Situationen kann das ja absolut sinnvoll sein.
Speaker0: Nicht jedes Gefühl muss jederzeit vollständig ausgelübt und ausgedrückt werden.
Speaker0: Aber wenn wir eben unsere Emotionen dauerhaft unterdrücken, kann das extrem belastend sein.
Speaker0: Und Studien zeigen hier eben auch, dass häufige emotionale Unterdrücken mit
Speaker0: ungünstigen Auswirkungen auf Wohlbefinden und zwischenmenschlichen Beziehungen verbunden sind.
Speaker0: Und deshalb ist es so wichtig, einen anderen Umgang mit den Gefühlen zu entwickeln.
Speaker0: Ja, vielleicht müssen wir eben gar nicht lernen, weniger zu fühlen.
Speaker0: Vielleicht dürfen wir lernen, unsere Gefühle besser zu verstehen.
Speaker0: Und vielleicht dürfen wir uns auch selbst die Frage stellen,
Speaker0: warum glaube ich eigentlich, dass ich mich für meine Gefühle entschuldigen muss?
Speaker0: Und ich finde das nur eine unglaublich wichtige Frage und wir tun das häufig
Speaker0: im Alltag, wenn wir nicht bewusst darauf achten.
Speaker0: Schreib dir die Frage gerne auch mal auf. Warum glaubst du eigentlich,
Speaker0: dass du dich für deine Gefühle entschuldigen musst?
Speaker0: Nimm das mal mit. Du musst das Ganze jetzt gar nicht beantworten.
Speaker0: Lass das mal nachwirken. Schreib dir heute Abend, wann auch immer du Zeit hast, dazu was auf.
Speaker0: Reflektier mal so ein bisschen über die Frage. Die ist unglaublich spannend.
Speaker0: Nicht spinnend. Und dann wird dir auch bewusst, wie häufig du dich vielleicht
Speaker0: für deine Gefühle entschuldigst, obwohl das überhaupt nicht notwendig ist.
Speaker0: Und schreib mir dazu auch gerne. Ja, es ist eine unglaublich spannende Frage.
Speaker0: Und ein ganz anderer wichtiger Punkt, der vor allem gerade bei Frauen,
Speaker0: bei Mamas häufig vorkommt, ist der Punkt, der auch ganz eng mit Sensibilität verbunden ist.
Speaker0: Und wie häufig, frag dich auch mal, wie häufig du dich für die Stimmung anderer
Speaker0: Menschen verantwortlich fühlst.
Speaker0: Vielleicht kennst du das ja auch. Jemand in deiner Nähe ist schlecht gelaunt,
Speaker0: und du möchtest sofort etwas tun, um das zu ändern.
Speaker0: Du fragst, was ist los, versuchst die Person aufzumundern, überlegst,
Speaker0: was vielleicht falsch gelaufen ist, was du falsch gemacht hast oder warum die
Speaker0: Person so schlecht gelaunt ist.
Speaker0: Und vielleicht entschuldigst du dich auch sogar und weißt eigentlich gar nicht wofür.
Speaker0: Und wenn die andere Person weiterhin noch schlecht gelaunter ist oder weiterhin
Speaker0: schlecht gelaunt ist, dann fühlst du dich noch unwohler.
Speaker0: Oder die Person sagt vielleicht auch, wenn du weiterfragst, bin ich noch schlechter
Speaker0: gelaunt und du fühlst dich noch unwohler.
Speaker0: Als wäre es deine Aufgabe, die Situation zu verändern.
Speaker0: Und gerade Menschen, die sehr aufmerksam auf die Gefühle anderer reagieren,
Speaker0: können dazu neigen, die Verantwortung für deren Wohlbefinden zu übernehmen.
Speaker0: Aber.
Speaker0: Mitgefühl und Verantwortung sind nicht dasselbe.
Speaker0: Du darfst wahrnehmen, dass jemand traurig ist, ohne dafür verantwortlich zu
Speaker0: sein, diese Traurigkeit sofort zu beseitigen.
Speaker0: Du darfst bemerken, dass jemand enttäuscht ist, ohne automatisch etwas falsch gemacht zu haben.
Speaker0: Und du darfst eine Grenze setzen. Ganz wichtig, hör gut zu, du darfst eine Grenze
Speaker0: setzen, auch wenn dein Gegenüber nicht begeistert davon ist.
Speaker0: Vielleicht ist das einer der wichtigsten Schritte auf deinem Weg zu noch mehr
Speaker0: innerer Sicherheit, zu erkennen, dass sich jede unangenehme Reaktion eines anderen
Speaker0: Menschen bedeutet, dass du etwas reparieren musst.
Speaker0: Stell dir mal vor, du sagst einer Freundin, dass du heute Abend nicht mehr telefonieren
Speaker0: möchtest, weil du müde bist.
Speaker0: Und sie reagiert enttäuscht. Vielleicht sagt sie, schade, das hätte ich wirklich gebraucht.
Speaker0: Und natürlich darf dich das berühren. Und natürlich darfst du Mitgefühl haben.
Speaker0: Aber du musst nicht automatisch deine eigene Erschöpfung übergehen.
Speaker0: Du kannst sagen, ich verstehe, dass du enttäuscht bist. Mir ist unser Kontakt auch wichtig.
Speaker0: Aber heute brauche ich Ruhe. Und das ist vollkommen okay.
Speaker0: Beides darf gleichzeitig wahr sein. Deine Freundin darf enttäuscht sein und
Speaker0: trotzdem darfst du auf dich achten.
Speaker0: Das ist keine Lieblosigkeit, das ist eine gesunde Form von Achtsamkeit,
Speaker0: dass du auf dich achtest.
Speaker0: Und wir haben ja jetzt schon relativ viel über die Theorie gesprochen.
Speaker0: Ja, ich möchte dir nochmal so ein paar praktische Tools mitgeben für den Alltag.
Speaker0: Wenn dir vielleicht Sätze begegnen wie mit, du bist so sensibel,
Speaker0: dass du da ein bisschen gestärkt bist, dass du vielleicht auch anders reagierst als bisher.
Speaker0: Das Erste, was ich dir mitgeben möchte, nimm deine Gefühle ernst.
Speaker0: Wenn dich was verletzt, musst du dich dafür nicht rechtfertigen.
Speaker0: Du darfst einen Moment innehalten, du darfst dir sagen, okay,
Speaker0: diese Aussage hat gerade etwas in mir ausgelöst.
Speaker0: Nicht mehr, nicht weniger erstmal. Ja, du musst auch nicht sofort entscheiden,
Speaker0: ob dein Gegenüber recht hat oder nicht.
Speaker0: Du musst nicht sofort herausfinden, ob du überreagierst.
Speaker0: Du darfst zunächst erst einmal wahrnehmen, ja, dass du fühlst,
Speaker0: das ist vollkommen okay.
Speaker0: Und das nächste Tool, dass du dann eben mal zurücktrittst innerlich und dir
Speaker0: das Gefühl anschaust und dir anschaust,
Speaker0: gibt es einen Unterschied zwischen dem Gefühl und der Interpretation.
Speaker0: Vielleicht fühlst du dich abgelehnt und das ist ein echtes Gefühl,
Speaker0: aber es bedeutet nicht automatisch, dass dein Gegenüber dich tatsächlich auch
Speaker0: ablehnt. Nicht unbedingt.
Speaker0: Vielleicht kannst du dir da zwei Fragen stellen.
Speaker0: Was habe ich gerade wahrgenommen und welche Geschichte erzähle ich mir darüber?
Speaker0: Das kann dir eben helfen, den Abstand zwischen der ersten emotionalen Reaktion,
Speaker0: und deiner nächsten Handlung zu bringen.
Speaker0: Ja, gerade dieser Abstand und zu schauen auch, welche Geschichte erzähle ich
Speaker0: mir darüber, über dieses Gefühl. Ja, was spielt sich da gerade in meinem Kopf ab?
Speaker0: Ja, welche Schallplatte lasse ich laufen?
Speaker0: Die ist so unglaublich wichtig.
Speaker0: Und das nächste Tool,
Speaker0: ist auch sehr wichtig, dass du dich nicht in lange Diskussionen verlierst und
Speaker0: auch nicht rechtfertigst, wenn dich was verletzt hat.
Speaker0: Ja, sprich klar über deine Grenzen. Du darfst gerne sagen, ich weiß,
Speaker0: dass du es möglicherweise nicht so gemeint hast und trotzdem hat mich deine Aussage verletzt.
Speaker0: Oder wir dürfen die Situation unterschiedlich sehen, aber ich möchte nicht,
Speaker0: dass über meine Gefühle gesprochen bzw. dass sie abgewertet werden.
Speaker0: Oder ganz einfach, bitte sprich nicht so mit mir.
Speaker0: Ja, das darfst du klar sagen. Auch wenn deine Stimme dabei zittert,
Speaker0: das ist vollkommen okay. Du darfst Grenzen setzen.
Speaker0: Auch wenn dein Gegenüber das nicht gut findet und du dich vielleicht am Anfang
Speaker0: unsicher fühlst. Und das ist vollkommen normal, diese Unsicherheit,
Speaker0: weil es was Ungewohntes ist.
Speaker0: Aber ich kann dir versprechen, es wird besser.
Speaker0: Und als nächsten Schritt, wenn du merkst, dass dich die Situation stark aktiviert,
Speaker0: kann es wirklich hilfreich sein, dass du innerlich ein bisschen mehr Stabilität findest.
Speaker0: Ja, vielleicht indem du bewusst deinen Boden unter die Füße spürst,
Speaker0: indem du bewusst ein- und ausatmest, indem du dich im Raum umschaust,
Speaker0: dir aufzählst, was es dort alles gibt.
Speaker0: Ja, hier ist eine Lampe, hier ist eine Pflanze, hier steht ein Schrank, eine Kerze.
Speaker0: Ja, für ein paar Minuten oder du gehst für einen Moment an die frische Luft.
Speaker0: Es geht nicht darum, dein Gefühl verschwinden zu lassen, sondern es geht darum,
Speaker0: deinem Körper zu helfen, mit der Belastung umzugehen, wieder runterzufahren.
Speaker0: Denn manchmal können wir eine Situation
Speaker0: klarer beurteilen, wenn die erste Stressreaktion nachgelassen hat.
Speaker0: Und der nächste Tipp, den ich dir noch mitgebracht habe, der Tipp Nummer 5,
Speaker0: den liebe ich und es ist so unglaublich wichtig.
Speaker0: Such dir Menschen, bei denen deine Gefühle Platz haben.
Speaker0: Du musst nicht jede emotionale Erfahrung in all deinen Mitmenschen mitteilen.
Speaker0: Aber vielleicht gibt es Menschen in deinem Leben, bei denen du dich verstanden
Speaker0: fühlst. Menschen, die dir zuhören, ohne es sofort zu bewerten.
Speaker0: Menschen, die nicht versuchen, deine Gefühle kleinzureden.
Speaker0: Menschen, die dir vielleicht einfach sagen, ich kann verstehen,
Speaker0: dass sich das getroffen hat.
Speaker0: Denn solche Beziehungen sind so unglaublich wichtig und wertvoll,
Speaker0: wenn du sie in deinem Leben hast.
Speaker0: Denn wir Menschen lernen eben die emotionale Regulation nicht ausschließlich allein.
Speaker0: Auch unterstützende Beziehungen können dazu beitragen, dass wir uns stabiler und sicherer fühlen.
Speaker0: Und schau mal, bei welchen Menschen du das Gefühl hast, dass du wirklich du selbst sein darfst.
Speaker0: Wir kennen so viele Menschen, aber es gibt wenige Menschen, bei denen wir wirklich
Speaker0: selbst sein dürfen und uns absolut verstanden fühlen.
Speaker0: Und das dürfen wir jeden Tag lernen, dass wir Menschen in unser Leben holen,
Speaker0: bei denen wir absolut wir selbst sein dürfen und uns immer verstanden fühlen.
Speaker0: Das ist mit einer der wichtigsten Ressourcen im Leben, damit es dir gut geht.
Speaker0: Und vielleicht bist du ja auch ein Mensch, der schon einen großen Teil seines
Speaker0: Lebens damit verbracht hat, zu denken, er ist zu sensibel oder versucht hat,
Speaker0: weniger sensibel zu sein.
Speaker0: Und vielleicht hast du dir auch gewünscht, dass sich bestimmte Aussagen gar
Speaker0: nicht so sehr treffen, dass du weniger grübelst, dass du Konflikte leichter aushältst.
Speaker0: Und vielleicht hast du dich auch mit Menschen verglichen, die scheinbar alles
Speaker0: an sich abprallen lassen.
Speaker0: Aber schau mal, was wäre, wenn du nicht weniger fühlen müsstest.
Speaker0: Was wäre denn, wenn du stattdessen lernen dürftest, besser mit dir umzugehen,
Speaker0: mit den Gefühlen, die du fühlst, umzugehen.
Speaker0: Denn Sensibilität kann so wertvoll
Speaker0: sein und kann mit so vielen wertvollen Eigenschaften verbunden sein.
Speaker0: Mit Empathie, mit Achtsamkeit, mit der Fähigkeit, feine Unterschiede wahrzunehmen.
Speaker0: Mit einer tiefen emotionalen Ebene des Erlebens.
Speaker0: Und Sensibilität bedeutet ja nicht automatisch, dass wir besonders empathisch
Speaker0: sind oder immer richtig einschätzen, was andere Menschen fühlen.
Speaker0: Auch unsere Wahrnehmung, meine Wahrnehmung auch, da nehme ich mich überhaupt
Speaker0: nicht aus, kann sich täuschen.
Speaker0: Und deshalb brauchen wir eben neben unserem Mitgefühl auch immer die Selbstreflexion.
Speaker0: Wir brauchen Grenzen, wir brauchen die Fähigkeit zwischen unseren Gefühlen und
Speaker0: denen anderer Menschen zu unterscheiden und wir brauchen Menschen,
Speaker0: bei denen wir nicht ständig das Gefühl haben, uns erklären zu müssen.
Speaker0: Vielleicht ist das die eigentliche Aufgabe, nicht ein dickeres Feld zu entwickeln,
Speaker0: wie man es gerne mal hört, sondern eine stärkere Verbindung zu uns selbst,
Speaker0: zu dir selbst wieder zu erschaffen.
Speaker0: Eine Verbindung, die es dir ermöglicht, deine Gefühle wahrzunehmen,
Speaker0: ohne von ihnen überwältigt zu werden.
Speaker0: Eine Verbindung, die dir hilft, Kritik
Speaker0: anzuhören, ohne dass dein gesamter Selbstwert in Frage gestellt wird.
Speaker0: Oder eine Verbindung, die dich daran erinnert, dass wir nicht jedem Menschen
Speaker0: gefallen müssen, um wertvoll zu sein.
Speaker0: Ganz wichtig, du musst nicht jedem Menschen gefallen und trotzdem bist du wertvoll.
Speaker0: Und vielleicht denkst du jetzt nach dieser Podcast-Folge oder wenn du das alles
Speaker0: gehört hast oder zwischenzeitlich auch schon an Menschen, die dir gesagt haben,
Speaker0: hör auf zu weinen, du bist zu sensibel, du übertreibst.
Speaker0: Vielleicht war das jemand aus deiner Kindheit oder dein Partner,
Speaker0: deine Partnerin, Freundinnen, Kollegen, was auch immer. Vielleicht auch Menschen,
Speaker0: mit denen du heute auch noch regelmäßig zu tun hast. und vielleicht hast du
Speaker0: diesen Satz auch viele, viele Jahre mit dir herumgetragen, dann möchte ich dich einladen,
Speaker0: du darfst beginnen, diesen Satz zu hinterfragen.
Speaker0: Ja, du darfst dich fragen, ob er wirklich beschreibt, wer du bist oder ob vielleicht
Speaker0: mit solchen Sätzen vielmehr darüber ausgesagt wird, wie dein Gegenüber mit Gefühlen umgeht.
Speaker0: Du darfst lernen, deine Reaktionen besser zu verstehen. Du darfst an deiner
Speaker0: emotionalen Regulation arbeiten. Du darfst erkennen, wenn alte Erfahrungen deine
Speaker0: Wahrnehmung beeinflussen.
Speaker0: Aber du musst dich nicht dafür schämen, dass du Gefühle hast.
Speaker0: Und du bist auch nicht weniger wert, weil dich was verletzt.
Speaker0: Und du musst auch nicht innerlich stark und unberührtbar werden, um Stärke zu zeigen.
Speaker0: Denn vielleicht bedeutet Stärke manchmal gerade zu sagen, ja,
Speaker0: das hat mich getroffen, das hat mich traurig gemacht und ja,
Speaker0: ich werde trotzdem gut für mich sorgen.
Speaker0: Und wenn dir die Podcast-Folge gefallen hat, dann hör auf jeden Fall auch noch
Speaker0: in die nächste Podcast-Folge rein,
Speaker0: denn dort wird es eine schöne Meditation für dich geben und wir werden gemeinsam
Speaker0: einen Raum schaffen, in dem du nichts leisten musst, in dem du deinem Atem wahrnehmen
Speaker0: darfst, in dem du deinem Körper die Ruhe wahrnehmen darfst.
Speaker0: Denn manchmal brauchen wir eben nicht noch mehr Erklärungen,
Speaker0: sondern manchmal brauchen wir einen Moment, in dem wir uns selbst wieder spüren dürfen.
Speaker0: Und wenn du dir wünschst, solch einen Moment wiederzufinden,
Speaker0: dann komm gerne zu einer Breastwork-Session, egal ob online oder vor Ort vorbei
Speaker0: oder zu einer Breastwork-Reise.
Speaker0: Die nächste Breastwork-Reise vor Ort findet auch am 20. November wieder statt.
Speaker0: Die anderen finden online statt.
Speaker0: Und ja, wenn du dazu auch nochmal Input haben möchtest, was so ist,
Speaker0: hör dir gerne die Podcast-Folge mit Petra an.
Speaker0: Ich verlinke sie nochmal in den Shownotes. Wir haben die Breastwork-Reise online
Speaker0: mit ihr gemacht und sie war trotzdem total geflasht.
Speaker0: Also auch das funktioniert. Ja, es ist einfach eine schöne Gelegenheit.
Speaker0: Dass du dir selbst auch wieder die Zeit und den Traum gibst.
Speaker0: Also komm zu einer Breastwork-Session, zu einer Breastwork-Reise,
Speaker0: egal ob online oder vor Ort vorbei.
Speaker0: Ja, denn auch online findest du einfach den Weg wieder zu dir selbst,
Speaker0: zu deinen Gefühlen, zu deinem Körper.
Speaker0: Und wenn dir die Podcast-Folge gut getan hat, wenn du Menschen kennst,
Speaker0: denen sie auch gut tut, teile sie gerne.
Speaker0: Hinterlass mir gerne eine 5-Sterne-Rezession auf einen deiner Podcast-Anbieter.
Speaker0: Ich danke dir von Herzen, dass du heute wieder mit dabei warst und ich möchte
Speaker0: dir zum Abschied noch einen ganz wichtigen Satz sagen du musst dich weniger
Speaker0: fühlen um mehr bei dir selbst anzukommen,
Speaker0: pass gut auf dich auf, bis zur nächsten Podcast Folge, Smile and Breeze deine Nathalie.
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