Scham - Das Gefühl, über das niemand spricht

Shownotes

Kaum ein Gefühl beeinflusst unser Leben so tief – und gleichzeitig sprechen wir so selten darüber.

Vielleicht glaubst du, dass du einfach zu sensibel bist. Vielleicht fällt es dir schwer, Grenzen zu setzen, Nein zu sagen oder dich authentisch zu zeigen. Vielleicht hast du das Gefühl, nie gut genug zu sein, obwohl du jeden Tag dein Bestes gibst.

Doch was wäre, wenn unter all diesen Erfahrungen ein Gefühl liegt, das dein Leben schon viel länger begleitet?

In dieser Podcastfolge tauchen wir tief in das Thema Scham ein – eine Emotion, die oft im Verborgenen wirkt und unser Denken, Fühlen und Handeln stärker beeinflusst, als uns bewusst ist.

Du erfährst,

warum Scham etwas anderes ist als Schuld, wie Scham bereits in der Kindheit entstehen kann, warum unser Nervensystem so empfindlich auf Ablehnung reagiert, weshalb People Pleasing, Perfektionismus und Selbstzweifel häufig Schutzstrategien sind, was die Polyvagal-Theorie und die moderne Neurobiologie über Scham sagen, wie Scham aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin den Energiefluss beeinflussen kann, und warum Heilung nicht mit Perfektion beginnt, sondern mit Mitgefühl.

Am Ende der Folge erwartet dich außerdem eine kleine innere Reise, die dich dabei unterstützt, deinem jüngeren Ich mit mehr Liebe und Verständnis zu begegnen.

Denn vielleicht warst du nie falsch. Vielleicht hast du nur gelernt, es zu glauben.

Wenn dir diese Folge gefallen hat, freue ich mich, wenn du sie teilst oder mir eine Bewertung dalässt.

Alle weiteren Infos findest Du bei www.natalie-klug.de

Ich danke dir von ❤️

Smile & breathe Deine Natalie

Transkript anzeigen

Speaker0: Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von Love,

Speaker0: Peace and Consciousness.

Speaker0: Ich freue mich so sehr, dass du heute wieder mit dabei bist.

Speaker0: Denn heute sprechen wir über ein Gefühl, das, was jeder Mensch kennt und über

Speaker0: das gleichzeitig kaum jemand spricht.

Speaker0: Ein Gefühl, das sich oft nicht laut bemerkbar macht.

Speaker0: Es schreit nicht, es weint nicht, es klopft nicht an einer Tür und sagt, hallo, ich bin's.

Speaker0: Nein, mein Name ist Nathalie Klug und heute möchte ich mit dir über das Gefühl Scham sprechen.

Speaker0: Denn Scham ist nicht laut. Scham ist viel leiser.

Speaker0: Sie flüstert, sie versteckt sich, sie zieht sich zurück und genau deshalb erkennen

Speaker0: wir sie häufig gar nicht.

Speaker0: Wir denken, wir hätten ein Problem mit unserem Selbstwert, wir glauben,

Speaker0: wir seien einfach zu sensibel, wir nennen es Perfektionismus,

Speaker0: People-Bleasing, Versagensangst, Angst vor Kritik,

Speaker0: oder wir sagen einfach, ich bin ebenso.

Speaker0: Doch was wäre, wenn all das gar nicht die Ursache ist?

Speaker0: Was wäre, wenn unter all diesen Strategien ein Gefühl liegt,

Speaker0: das dein ganzes Leben beeinflusst?

Speaker0: Ein Gefühl, das darüber entscheidet, ob du dich zeigst, ob du deine Meinung

Speaker0: sagst, ob du Hilfe annimmst, ob du Grenzen setzt, ob du deine Träume lebst und

Speaker0: ob du dich überhaupt selbst lieben kannst.

Speaker0: Deshalb schauen wir uns heute mal genauer an, was ist Ja?

Speaker0: Ja, so schön, dass du heute wieder hier bist und mir deine Zeit und deinen Traum schenkst.

Speaker0: Und Scham ist ein unglaublich wichtiges Thema.

Speaker0: Ich persönlich glaube, Scham ist eine der schmerzhaftesten Emotionen,

Speaker0: die wir Menschen erleben können.

Speaker0: Nicht, weil sie laut ist, sondern weil sie uns glauben lässt, wir seien alleine.

Speaker0: Sie trennt uns von anderen Menschen, von unserem Körper, von unseren Gefühlen,

Speaker0: und irgendwann sogar von uns selbst.

Speaker0: Das Verrückte daran, fast jeder Mensch trägt Scham in sich.

Speaker0: Ich persönlich kenne keinen Menschen, der keine Scham in sich trägt.

Speaker0: Schreib mir gerne, wenn es bei dir anders ist.

Speaker0: Und jeder Mensch glaubt, nur er wäre davon betroffen.

Speaker0: Deshalb ist es mir so wichtig, dass ich heute mit dir darüber spreche.

Speaker0: Nicht aus der Perspektive, du musst dich verändern, sondern aus der Haltung des Mitgefühls.

Speaker0: Denn ich glaube zutiefst, mit dir war nie etwas falsch.

Speaker0: Vielleicht hast du lediglich gelernt, dich für Dinge zu schämen,

Speaker0: die nie beschämend waren.

Speaker0: Und da stell dir mal ein kleines Kind vor, vielleicht drei oder vier Jahre alt, Mädchen oder Junge.

Speaker0: Und es malt voller Freude ein Bild. Und es rennt damit voller Stolz zu seinen Eltern.

Speaker0: Sein Herz schlägt schnell. Es möchte gesehen werden. Es möchte Verbindung.

Speaker0: Und dann hört es einen Satz wie, das geht aber schöner, aber jetzt stört doch

Speaker0: nicht. Oder ich habe jetzt keine Zeit.

Speaker0: Oder vielleicht bekommt dieses Kind nur einen genervten Blick.

Speaker0: Für einen Erwachsenen ist das, ist so eine Situation oft eine Kleinigkeit.

Speaker0: Aber für das Nervensystem eines Kindes kann daraus etwas komplett anderes entstehen.

Speaker0: Denn Kinder denken nicht, ja Mama oder Papa hatten heute einen stressigen Tag.

Speaker0: Kinder denken, mit mir stimmt etwas nicht.

Speaker0: Und das sind die Momente, in denen Scham geboren werden kann.

Speaker0: Scham wird nicht immer durch Gewalt geboren, nicht immer durch große Traumata,

Speaker0: sondern häufig durch viele kleine Momente,

Speaker0: in denen wir uns mit unseren Gefühlen, unserer Freude oder unserer Persönlichkeit,

Speaker0: nicht willkommen gefühlt haben.

Speaker0: Und weißt du, was das Traurige ist?

Speaker0: Scham entwickelt sich oft genau dort, wo wir eigentlich Liebe gesucht haben.

Speaker0: Scham entsteht häufig in Beziehungen.

Speaker0: Und genau deshalb kann sie auch nur in Beziehungen wieder heilen.

Speaker0: Und vielleicht kennst du ja dieses Gefühl, du möchtest etwas sagen und plötzlich hältst du inne.

Speaker0: Du möchtest weinen, aber du schluckst die Tränen herunter.

Speaker0: Du möchtest jemanden umarmen, doch irgendetwas hält dich zurück.

Speaker0: Du möchtest das aussprechen, was dir auf dem Herzen liegt. Du möchtest deine

Speaker0: Wahrheit aussprechen und stattdessen lächelst du.

Speaker0: Nicht, weil du lügen möchtest, sondern weil dein Nervensystem gelernt hat,

Speaker0: wenn ich mich wirklich zeige, könnte ich abgelehnt werden.

Speaker0: Und Ablehnung war und ist für unser Gehirn über Jahrtausende keine Kleinigkeit.

Speaker0: Ablehnung konnte vor Jahrtausenden von Jahren lebensgefährlich sein.

Speaker0: Denn für unser Nervensystem fühlt sich Ablehnung genauso bedrohlich an wie früher,

Speaker0: eine Begegnung mit einem Raubtier.

Speaker0: Denn wir Menschen sind ja soziale Wesen und unser Gehirn ist absolut nicht darauf

Speaker0: programmiert, perfekt zu sein.

Speaker0: Es ist darauf programmiert, dazu zu gehören.

Speaker0: Und genau deshalb ist Scham so mächtig, denn sie bedroht unser tiefstes menschliches Bedürfnis.

Speaker0: Und das ist Verbundenheit, nichts anderes.

Speaker0: Und vielleicht erkennst du dich gerade an einer Stelle wieder,

Speaker0: vielleicht auch nicht. Das ist beides vollkommen in Ordnung.

Speaker0: Denn die Scham ist unglaublich gut darin, sich zu tarnen.

Speaker0: Sie trägt Masken. Sie nennt sich, was ich schon sagte, Perfektionismus,

Speaker0: Kontrolle, Überanpassung, Selbstoptimierung, Leistung oder sogar Spiritualität.

Speaker0: Manchmal meditieren Menschen nicht,

Speaker0: um sich zu begegnen, sondern um ihre Gefühle nicht fühlen zu müssen.

Speaker0: Andere Menschen helfen ständig, nicht aus Liebe, sondern weil sie glauben,

Speaker0: erst dann wertvoll zu sein.

Speaker0: Und andere Menschen funktionieren einfach, jeden Tag, immer weiter.

Speaker0: Und niemand ahnt, wie einsam sie sich teilweise innerlich fühlen.

Speaker0: Und für diese Podcast-Folge wünsche ich mir heute, als ich mir Gedanken darüber

Speaker0: gemacht habe, über was ich heute sprechen möchte und weil ich auch gemerkt habe,

Speaker0: dass die Scham so ein wichtiges Thema ist, das Feedback habe ich ja auch von euch bekommen,

Speaker0: da schreib mir auch gerne nochmal in den Kommentaren, ja, wenn dich Themen interessieren,

Speaker0: die nehme ich total gerne auf, was dich da interessiert, was du hören möchtest,

Speaker0: dann mache ich da gerne auch eine Podcast-Folge dazu.

Speaker0: Und mir ist für heute eben wichtig, dass diese Podcast-Folge kein Vortrag wird,

Speaker0: sondern eine Begegnung.

Speaker0: Eine Begegnung mit einem Teil in dir, der vielleicht schon sehr lange darauf

Speaker0: wartet, endlich gesehen zu werden.

Speaker0: Nicht um ihn zu reparieren, diesen Teil, nein, sondern um ihm endlich das zu

Speaker0: schenken, was ihm vielleicht schon als Kind gefehlt hat.

Speaker0: Und das sind Mitgefühl, Annahme und die Erfahrung, ich darf genau so sein, wie ich bin.

Speaker0: Denn genau dort beginnt Heilung. Nicht dort, wo wir perfekt werden,

Speaker0: sondern dort, wo wir aufhören, gegen uns selbst zu kämpfen.

Speaker0: Und da lass uns mal gemeinsam ein bisschen genauer hinschauen.

Speaker0: Denn obwohl Scham zu den stärksten Emotionen gehört, verwechseln wir sie oft

Speaker0: mit einem ganz anderen Gefühl.

Speaker0: Vielleicht ahnst du es schon, das ist das Gefühl Schuld.

Speaker0: Und hier ist es wichtig, dass wir einen entscheidenden Unterschied machen.

Speaker0: Denn die Schuld sagt, ich habe etwas Falsches getan. Und die Scham sagt, ich bin falsch.

Speaker0: Und da spür mal kurz einen Augenblick in den Unterschied hinein.

Speaker0: Schließ gerne die Augen, wenn du möchtest. Wenn du Auto fährst,

Speaker0: lass die Augen natürlich geöffnet.

Speaker0: Aber spür mal in dich hinein, wenn du sagst, ich habe etwas Falsches getan und

Speaker0: wenn du sagst, ich bin falsch.

Speaker0: Merkst du den Unterschied?

Speaker0: Wenn du Schuld empfindest, kannst du Verantwortung übernehmen.

Speaker0: Du kannst dich entschuldigen, etwas wiedergutmachen oder ein Verhalten verändern.

Speaker0: Die Scham dagegen, sie trifft nicht dein Verhalten, sie trifft dein ganzes Sein.

Speaker0: Was ist also Scham? Die Scham sagt dir nicht, du hast einen Fehler gemacht,

Speaker0: sondern sie flüstert dir ganz, ganz leise ins Ohr und das dafür permanent.

Speaker0: Du bist der Fehler.

Speaker0: Und genau deshalb ist Scham so zerstörerisch und so eine mächtige Emotion.

Speaker0: Denn gegen das, was wir tun, können wir etwas verändern.

Speaker0: Aber gegen das, was wir glauben zu sein, kämpfen wir eben oft ein Leben lang.

Speaker0: Und das Faszinierende ist, niemand ist mit Scham geboren.

Speaker0: Ein Baby schämt sich nicht, weil es laut weint. Ein Kleinkind schämt sich nicht, weil es tanzt.

Speaker0: Ein Kind schämt sich nicht, weil es Fragen stellt. Es macht einfach.

Speaker0: Es ist, wie es ist. Es lacht, es weint, es schreit, es zeigt sich,

Speaker0: es tobt und das ist alles okay.

Speaker0: Aber erst durch unsere Erfahrungen lernen wir eben, welche Gefühle,

Speaker0: welche Bedürfnisse oder Seiten von uns scheinbar nicht in Ordnung sind.

Speaker0: Und vielleicht hast du ja als Kind auch folgende Sätze gehört,

Speaker0: wie Sätze, die eigentlich ganz

Speaker0: harmlos klingen, sowas wie, sei nicht so laut, stell dich nicht so an,

Speaker0: reiß dich zusammen, zappel nicht so rum, du bist viel zu empfindlich,

Speaker0: ein Indianer kennt keinen Schmerz,

Speaker0: große Jungs, große Mädchen weinen nicht.

Speaker0: Das hast du bestimmt alles auch schon mal gehört oder ein Teil davon.

Speaker0: Oder vielleicht wurden auch einfach deine Gefühle nicht ernst genommen.

Speaker0: Vielleicht wurdest du ausgelacht. Vielleicht wurdest du ignoriert.

Speaker0: Oder vielleicht hast du erlebt, dass Liebe plötzlich verschwand,

Speaker0: wenn du nicht funktioniert hast.

Speaker0: Und das Fatale ist, dass dein Nervensystem daraus folgende logische Schlussfolgerung zog.

Speaker0: Wenn ich so bin, wie ich bin, dann verliere ich die Verbindung.

Speaker0: Und was passiert dabei im Körper bei der Scham?

Speaker0: Vielleicht erinnerst Du Dich daran, was ich zum Beginn der Folge zum Thema Nervensystem

Speaker0: und Bedrohung gesagt habe.

Speaker0: Für Dein Nervensystem fühlt sich die Ablehnung genauso bedrohlich an,

Speaker0: wie früher die Begegnung mit einem Rauttier.

Speaker0: Und hier kommt auch noch etwas ins Spiel, was ich unglaublich spannend finde.

Speaker0: Unser Nervensystem entscheidet nicht zwischen körperlicher und emotionaler Gefahr.

Speaker0: Für unser Gehirn fühlt sich die soziale Ausgrenzung ähnlich bedrohlich an wie körperlicher Schmerz.

Speaker0: Warum ist das so? Weil wir Menschen evolutionär nur in der Gemeinschaft überleben konnten.

Speaker0: Allein zu sein, bedeutete früher der Tod.

Speaker0: Und deshalb reagiert unser Gehirn bis heute so empfindlich auf Ablehnung,

Speaker0: Kritik oder Beschämung.

Speaker0: Und ich finde das aber auch so ein bisschen entlasten, wenn wir darüber nachdenken.

Speaker0: Viele Menschen denken, warum nehme ich mir Kritik immer so zum Herzen und da

Speaker0: kann ich mich nicht ausschließen.

Speaker0: Warum reicht ein komischer Blick, damit ich an mir zweifle?

Speaker0: Warum beschäftigt mich eine Bemerkung tagelang?

Speaker0: Nicht, weil du eben zu sensibel bist, sondern weil dein Nervensystem versucht, dich zu schützen.

Speaker0: Und vielleicht kennst du diese Situation ja auch von dir selbst.

Speaker0: Du bist auf einer Party, du unterhältst dich mit Kollegen, du unterhältst dich

Speaker0: mit deinem Mann, deiner Frau, mit wem auch immer, mit der Familie.

Speaker0: Und du erzählst etwas, vielleicht auch voller Begeisterung, was du erlebt hast,

Speaker0: was du gehört hast, was du gesehen hast, welche Erfahrungen gemacht hast.

Speaker0: Du kannst das alles ganz genau beschreiben, bis ins kleinste Detail und bist

Speaker0: mit vollem Herzen dabei.

Speaker0: Und plötzlich schaut dich jemand etwas irritiert an und im Sekundenbruchteil,

Speaker0: verändert sich etwas in deinem Körper.

Speaker0: Deine Schultern ziehen sich zusammen, dein Atem wird flacher,

Speaker0: deine Stimme verändert sich, vielleicht wirst du ganz still.

Speaker0: Oder das Gegenteil, du redest plötzlich fühlst schneller.

Speaker0: Ja, das kenne ich auch von mir. Ja, da musste ich auch hart an mir arbeiten,

Speaker0: in solchen Situationen.

Speaker0: Oder vielleicht beginnst du sogar zu lachen. Nicht, weil etwas lustig ist,

Speaker0: sondern weil dein Nervensystem versucht, die Spannung aufzulösen.

Speaker0: Und das ist das Wichtige, dass du das verstehst. Scham ist nicht nur ein Gedanke.

Speaker0: Scham ist eine körperliche Erfahrung.

Speaker0: Sie lebt in deiner Haltung, sie lebt in deinem Atem, sie lebt in deinem Blick,

Speaker0: in deiner Muskelspannung.

Speaker0: Und das ist auch mit unter anderem der Grund, warum positives Denken oft nicht ausreicht.

Speaker0: Denn dein Körper erzählt immer noch eine ganz andere Geschichte,

Speaker0: die dein Verstand längst verstanden hat.

Speaker0: Und das ist so wichtig, dass wir das verstehen,

Speaker0: denn erst wenn wir das verstanden haben, dass wir nicht nur mit den Gedanken

Speaker0: arbeiten, dass wir es nicht nur verstehen, dass wir es nicht nur im Gehirn klar

Speaker0: haben, sondern auch im Körper,

Speaker0: erst dann beginnt die wirkliche Heilung.

Speaker0: Und ich habe dieses Gefühl von, ich habe das in der Podcast-Folge schon mal

Speaker0: erwähnt, ich glaube es war sogar in der letzten oder vorletzten,

Speaker0: ich weiß es gar nicht, warum reicht es denn wieder nicht?

Speaker0: Ich habe das so lange mit mir rumgetragen und ich habe so viele Glaubenssätze

Speaker0: aufgelöst und es war trotzdem immer noch da.

Speaker0: Und erst als ich wirklich in das Körperliche auch ganz tief reingegangen bin,

Speaker0: kam mir eine Situation aus meiner Kindheit hoch, in der ich mich wirklich so enorm geschämt hatte.

Speaker0: Und das war für viele Außenstehende eine überhaupt nicht schlimme Situation.

Speaker0: Und zwar war das an meinem Geburtstag, ich weiß es gar nicht,

Speaker0: weil ich war fünf, sechs, sieben, acht, keine Ahnung, das kann ich dir gar nicht mehr genau sagen.

Speaker0: Aber ich weiß noch, ich war auf meiner Kindergeburtstagsparty und wir waren

Speaker0: außerhalb und haben gefeiert und dort konnte man Billard spielen.

Speaker0: Und ich hatte zuvor in meinem Leben noch nicht viel Billard gespielt und da

Speaker0: waren ein paar Nachbarskinder auch dabei, die gut Billard spielen konnten und ich weiß es noch,

Speaker0: den ersten Stoß nennt man das, glaube ich, wenn man die Billardkugel anstößt.

Speaker0: Ich bin jetzt kein Billard-Experte, aber ich glaube, man nennt es Stoß.

Speaker0: Auf jeden Fall weiß ich noch, bei dem ersten Stoß mit der Billardkugel.

Speaker0: Ging das etwas daneben. Es war nicht perfekt. Ich habe die Kugel getroffen und

Speaker0: die ging auch auf die anderen Kugel drauf, aber eben nicht mit der Kraft,

Speaker0: die man aufbringen kann.

Speaker0: Und die Nachbarskinder, die gut Billard spielen konnten, weil die das schon

Speaker0: so häufig gemacht haben, ich habe die Szene wirklich noch total vor mir.

Speaker0: Die haben angefangen, mich auszulachen. Und ich weiß noch, dass ich den Kö weggeworfen

Speaker0: habe und zu meiner Mutter gerannt bin und wirklich so geweint habe. Und...

Speaker0: Wenn ich darüber nachdenke, entsteht da in meinem Körper immer noch Anspannung,

Speaker0: ich bekomme eine Gänsehaut, obwohl ich es wirklich kognitiv verstanden habe, dass es.

Speaker0: Kinder eben waren, wie Kinder so sind und dass die Situation an sich ja gar

Speaker0: nicht so gravierend war und dass ich trotzdem einen schönen Geburtstag hatte.

Speaker0: Aber ich kann dir noch ganz genau beschreiben, wie die Kinder um den Bildertisch rumstanden.

Speaker0: Ich weiß sogar noch, nachdem ich mich damit wieder beschäftigt habe,

Speaker0: was sie anhatten, wer das war und wie sie mich ausgelacht hatten.

Speaker0: Und wenn ich an diese Situation denke und obwohl ich jetzt schon angefangen

Speaker0: habe, darin zu arbeiten, stellen sich wie gesagt bei mir die Härchen an den

Speaker0: Armen auf. Ich merke, wie sich mein Brustkorb zusammenzieht.

Speaker0: Ich merke, wie ich kleiner werde, wie mein Atem flacher wird.

Speaker0: Und vielleicht hast du ja auch so eine Situation erlebt.

Speaker0: Und es sind, wie gesagt, häufig nicht diese großen Erlebnisse,

Speaker0: sondern diese vielen kleinen Dinge.

Speaker0: Und obwohl meine Mutter dann natürlich versucht hat, das Beste aus der Situation,

Speaker0: gemacht hat, mich getröstet hat,

Speaker0: was man so als Mama macht, ja, wenn du selbst Mama bist, weißt du es,

Speaker0: man versucht die Kinder dann wieder positiv zu bestärken, an die Situation heranzuführen,

Speaker0: weiß ich, dass es mich bis heute wirklich getriggert hat.

Speaker0: Und das sind eben Situationen im Leben, die man ja nicht nur einmalig erlebt.

Speaker0: Und es kommen immer wieder solche Situationen und das ist das,

Speaker0: warum die Scham so mächtig ist, weil wir es häufig gar nicht sehen,

Speaker0: weil es so subtil ist, weil es so unterschwellig ist.

Speaker0: Und...

Speaker0: Auch wenn ich mit meinen Klientinnen spreche, wenn wir uns über die Scham unterhalten

Speaker0: und das kommt ja sogar relativ häufig vor.

Speaker0: Also ich, auch im Freundeskreis, auch im Familienkreis, es gibt keinen Menschen,

Speaker0: bei dem die Scham nicht vorhanden ist.

Speaker0: Und ganz häufig höre ich eben den Satz, ich weiß doch eigentlich, dass ich gut genug bin.

Speaker0: Ja, und vielleicht hast du das auch schon mal selbst bei dir gehört.

Speaker0: Und trotzdem fühlt es sich nicht anders an.

Speaker0: Und hier eben liegt genau der Unterschied zwischen Wissen, zwischen dem kognitiven

Speaker0: Verstehen und der Verkörperung.

Speaker0: Und deshalb ist es so unglaublich wichtig, wirklich so, so unglaublich wichtig,

Speaker0: dass wir das Thema Scham, dass wir die Glaubenssätze eben nicht nur mit dem Verstand analysieren.

Speaker0: Und sondern uns damit auseinandersetzen und wirklich auch schauen,

Speaker0: was passiert im Körper, wenn ich an solche Situationen denke,

Speaker0: wenn ich an Schaden denke.

Speaker0: Was fühlst du im Körper? Denn der Kopf hat es meist längst verstanden, dass du wertvoll bist.

Speaker0: Ja, aber wenn dein Nervensystem über Jahre, Jahrzehnte gelernt hat,

Speaker0: ich bin nur sicher, wenn ich funktioniere, dann wird dein Körper eben trotzdem

Speaker0: Alarm schlagen, sobald du dich authentisch zeigst.

Speaker0: Und deshalb genügt es eben nicht nur neue Glaubenssätze zu lernen,

Speaker0: nicht nur positiv zu denken, Affirmationen zu sprechen.

Speaker0: Die sind natürlich auch wunderbar. Ja, nichts gegen Affirmationen.

Speaker0: Ich liebe Affirmationen. Ich finde, es gibt nichts Schöneres,

Speaker0: den Tag damit zu starten und sich in die positive Schwingung zu bringen.

Speaker0: Aber wir dürfen uns dem Körper auch neue Erfahrungen schenken.

Speaker0: Eine Erfahrung von Sicherheit, eine Erfahrung von Annahme, eine Erfahrung von echter Verbindung.

Speaker0: Und vielleicht kannst du deine Vergangenheit nicht ändern. Funktioniert ja nicht,

Speaker0: wie will man die Vergangenheit ändern.

Speaker0: Aber dein Nervensystem lernt jeden Tag.

Speaker0: Und genau deshalb ist Veränderung möglich.

Speaker0: Und wenn wir uns mal die Scham anschauen, das finde ich immer so ein bisschen

Speaker0: tricky, aber auch wenn wir an der Scham arbeiten, wenn ich mit meinen Klientinnen

Speaker0: an der Scham arbeite, immer wieder so berührend.

Speaker0: Denn die Scham liebt die Dunkelheit. Sie wächst dort, wo wir schweigen.

Speaker0: Dort, wo wir glauben, wenn jemand das über mich wüsste, würde er mich nicht mehr lieben.

Speaker0: Doch genau in dem Moment, in dem wir einen sicheren Menschen finden,

Speaker0: und aussprechen, ich schäme mich für oder das und das ist mir passiert und es

Speaker0: beschämt mich, es macht mir Angst, was auch immer.

Speaker0: In dem Moment, wo du das aussprichst, verliert Scham oft einen Teil ihrer Macht.

Speaker0: Denn die Scham braucht Isolation und die Heilung braucht Verbindung.

Speaker0: Die Scham ist nämlich wie so ein kleiner Samen, der tief unter der Erde in der Dunkelheit liegt.

Speaker0: Und dort wächst er nicht zu einer Blume, sondern der Samen verliert sich in

Speaker0: der Kälte und in der Einsamkeit.

Speaker0: Und erst wenn Licht, Wasser und Wärme zu dem Samen runtergelangt, beginnt neues Leben.

Speaker0: Dann beginnt die Blume zu blühen, der Baum zu wachsen, was auch immer.

Speaker0: Und genau so ist es mit uns. Scham braucht Isolation, um zu überleben.

Speaker0: Und die Heilung braucht Verbindung, um zu wachsen.

Speaker0: Und vielleicht ist das einer der wichtigsten Sätze aus dieser Folge.

Speaker0: Scham braucht Isolation und Heilung braucht Verbindung.

Speaker0: Und vielleicht fragst du dich denn jetzt auch überhaupt, ja warum habe ich denn

Speaker0: überhaupt Scham entwickelt? Vielleicht hast du auch nicht so viele negative

Speaker0: Situationen in der Kindheit erlebt, was total mega gut ist. Herzlichen Glückwunsch dazu.

Speaker0: Und die Antwort, warum du Scham entwickelt hast, finde ich teilweise auch schon

Speaker0: wieder liebevoll und heilsam.

Speaker0: Du hast Scham entwickelt nicht, weil mit dir etwas falsch war,

Speaker0: sondern weil dein Nervensystem unglaublich intelligent ist.

Speaker0: Denn die Scham war nie dein Feind. Sie war einmal eine Überlebensstrategie.

Speaker0: Die Scham wollte verhindern, dass du ausgestoßen wirst, dass du verlassen wirst,

Speaker0: dass du keine Liebe mehr bekommst.

Speaker0: Sie ist also ein Schutzmechanismus, der damals vielleicht notwendig war.

Speaker0: Aber heute darfst du eben nochmal überprüfen, ob du diesen Schutzmechanismus noch brauchst.

Speaker0: Und vielleicht fragst du dich denn jetzt auch, ja jetzt hast du schon so viel

Speaker0: erzählt, aber wie erkenne ich denn die Scham überhaupt?

Speaker0: Mir ist überhaupt nicht bewusst, dass ich dieses Gefühl in mir trage.

Speaker0: Oder vielleicht fragst du dich denn auch, wenn Scham so unsichtbar ist,

Speaker0: woher weiß ich überhaupt, ob sie in meinem Leben eine Rolle spielt?

Speaker0: Und die Scham erkennst du oft nicht an dem Gefühl selbst, sondern an den Strategien,

Speaker0: die du entwickelt hast, um die Scham auch nie wieder fühlen zu müssen.

Speaker0: Denn die Scham ist unglaublich kreativ, wenn wir uns sie mal anschauen,

Speaker0: wenn wir mit Scham arbeiten, mit dem Thema Scham, wenn wir es auflösen möchten.

Speaker0: Und die Scham trägt unglaublich viele Masken.

Speaker0: Und oft halten wir diese Masken eben für unsere Persönlichkeit.

Speaker0: Vielleicht bist du ja auch Mensch, der über dich sagt, ich bin eben perfektionistisch.

Speaker0: Ich denke eben einfach zu viel nach.

Speaker0: Ich bin Mensch, der schlecht Nein sagen kann. Ich möchte es allen recht machen.

Speaker0: Oder ich stelle meine Bedürfnisse eben hinten an. Oder ich bin einfach harmoniebedürftig.

Speaker0: Aber jetzt denk mal darüber nach, was wäre, wenn das gar nicht dein wahres Wesen ist?

Speaker0: Was wäre, wenn all deine Verhaltensweisen, die du so hast, schau sie dir mal

Speaker0: an, schreib sie dir auch gerne auf, da kommen spannende Dinge raus.

Speaker0: Aber was wäre, wenn all diese Verhaltensweisen einmal kluge Überlebensstrategien waren?

Speaker0: Strategien deines Nervensystems, das gelernt hat. Wenn ich perfekt bin,

Speaker0: werde ich nicht kritisiert.

Speaker0: Wenn ich niemanden enttäusche, werde ich nicht verlassen.

Speaker0: Wenn ich mich anpasse, gehöre ich dazu.

Speaker0: Wenn ich keine Umstände mache, werde ich geliebt.

Speaker0: Und irgendwann werden all diese Strategien zu unserem Alltag.

Speaker0: So sehr, dass wir vergessen, dass sie einmal unser Schutz waren.

Speaker0: Und denk mal für einen Moment darüber nach. Halt gerne die Podcast-Folge an,

Speaker0: und denk mal darüber nach.

Speaker0: Ich bin mir sicher, dass auch du irgendeine Strategie bei dir erkennen wirst.

Speaker0: Und ich möchte dir heute eine Frage stellen, nicht damit du sie sofort beantwortest,

Speaker0: sondern damit sie in dir arbeiten darf.

Speaker0: Gib dieser Frage auch gerne Raum, Zeit, schreib immer wieder mal einen Tag was

Speaker0: auf, über mehrere Tage, Wochen, wenn dir dazu was einfällt.

Speaker0: Und die Frage, die ich dir heute auch stellen möchte, für dich zu mitnehmen.

Speaker0: Wer wärst du, wenn du dich für nichts mehr schämen müsstest?

Speaker0: Wer wärst du, wenn du keine Angst mehr hättest, laut zu sein?

Speaker0: Wer wärst du, wenn du keine Angst mehr hättest, zu emotional zu sein, zu sensibel?

Speaker0: Wer wärst du, wenn du keine Angst mehr hättest, zu erfolgreich zu sein,

Speaker0: zu sichtbar, zu ehrlich, zu viel oder vielleicht sogar nicht genug?

Speaker0: Spür doch mal in dich hinein. Das ist eine unglaublich spannende Frage.

Speaker0: Wie würde dein Leben aussehen? Welche Entscheidungen würdest du treffen?

Speaker0: Welche Gespräche würdest du führen?

Speaker0: Welche Träume würdest du vielleicht auch endlich leben?

Speaker0: Vielleicht würdest du dich auch wirklich zum ersten Mal zeigen, wie du wirklich bist.

Speaker0: Nicht die Version, die gelernt hat, zu funktionieren, sondern die Version,

Speaker0: die immer schon in dir gelebt hat.

Speaker0: Und ich persönlich, das ist meine ganz persönliche Meinung, glaube,

Speaker0: dass viele Menschen gar nicht so sehr unter mangelndem Selbstwert leiden,

Speaker0: sondern unter der Angst, ihr wahres Selbst zu zeigen.

Speaker0: Denn tief in dem Inneren lebt häufig die Überzeugung, wenn die Menschen mich

Speaker0: wirklich kennenlernen, werden sie mich ablehnen.

Speaker0: Und genau deshalb tragen wir Masken wie, du bist eine starke Frau,

Speaker0: du bist die Perfekte, du bist die Hilfsbereite, du bist der Perfekte natürlich

Speaker0: auch, du bist der Lustige, die Lustige, du bist die Spirituelle,

Speaker0: du bist die Unabhängige.

Speaker0: Und Masken an sich sind ja nicht schlecht, denn die Masken haben uns oft geschützt.

Speaker0: Aber die Masken kosten auch unglaublich viel Energie.

Speaker0: Vielleicht hast du das auch schon erlebt. Situationen, in denen du völlig ausgelaugt

Speaker0: bist. Du bist den ganzen Tag mit Menschen zusammen. Du lächelst,

Speaker0: du funktionierst, du kümmerst dich, du gibst.

Speaker0: Und wenn du nach Hause kommst, bist du einfach nur erschöpft.

Speaker0: Nicht, weil der Tag so anstrengend war.

Speaker0: Sondern weil es unglaublich viel Kraft kostet, jemand zu sein, der man gar nicht ist.

Speaker0: Und ich persönlich wurde auch eine ganze Zeit lang dafür kritisiert, dass ich meine,

Speaker0: Tierheilpraxis, meine Tierphysiopraxis, meine TCM-Ausbildungen,

Speaker0: dass ich das alles runter reduziert habe. Warum denn auf einmal?

Speaker0: Und so weiter. All diese Vorwürfe kamen. Aber ich habe für mich einfach gespürt,

Speaker0: das bin gerade nicht ich.

Speaker0: Das war ich zwei Jahrzehnte lang und das war super gut und es hat unglaublich viel Spaß gemacht.

Speaker0: Und ich mache das auch gerne weiter in einem geringeren Rahmen,

Speaker0: aber gerade bin das einfach nicht ich.

Speaker0: Gerade steht etwas anderes im Vordergrund und vielleicht kommt das auch wieder,

Speaker0: dass ich das wieder mehr machen möchte, aber gerade nicht.

Speaker0: Und auch hier habe ich gemerkt, dass es mich so unglaublich viel Kraft gekostet

Speaker0: hat, es weiterzumachen, obwohl ich gemerkt habe, in dem Umfang,

Speaker0: wie ich das gemacht habe, das bin einfach gerade nicht ich.

Speaker0: Und auch wenn ich im Coaching bin, mit Frauen arbeite, bei den Workshops,

Speaker0: bei den Breastworkreisen, wo auch immer,

Speaker0: oder auch bei den Unternehmen, in vielen Situationen höre ich immer wieder,

Speaker0: Nathalie, ich weiß manchmal eigentlich gar nicht mehr, wer ich bin.

Speaker0: Und weißt du was? Ich glaube das sofort.

Speaker0: Denn wenn wir jahrelang versuchen, die Erwartungen anderer zu erfüllen,

Speaker0: verlieren wir irgendwann den Kontakt zu unseren eigenen Bedürfnissen.

Speaker0: Wir spüren nicht mehr, was brauche ich eigentlich, was möchte ich,

Speaker0: was fühlt sich für mich gerade richtig an.

Speaker0: Und dann passiert etwas Erstaunliches. Denn plötzlich fangen wir dann an,

Speaker0: andere Menschen nach Erlaubnis für unser eigenes Leben zu fragen.

Speaker0: Wir fragen, ist das okay? Findest du das gut? Meinst du, ich kann das machen?

Speaker0: Dabei gibt es wirklich nur einen einzigen Menschen, der diese Antwort wirklich kennt.

Speaker0: Und das bist du selbst.

Speaker0: Und das ist eben das,

Speaker0: Stranger an der Scham, weil sie sich eben nicht in unseren Gedanken zeigt.

Speaker0: Ja, was ich schon gesagt habe, sie zeigt sich auch in unserem Körper.

Speaker0: Und hier sind wir eben bei dem Thema, wie zeigt sich Scham im Körper?

Speaker0: Vielleicht bemerkst du, dass du dich kleiner machst. Die Schultern fallen,

Speaker0: der Blick geht nach unten, die Stimme wird leiser, du hältst unbewusst den Atem an.

Speaker0: Fast so, als wolltest du dich unsichtbar machen.

Speaker0: Und genau das ist das Spannende. Denn Scham ist biologisch betrachtet eine Rückzugsreaktion.

Speaker0: Rückzugsreaktion, wie eine Pflanze, wie ein Baum, der die Blätter abwirft,

Speaker0: aufhört zu blühen, wenn es kalt wird.

Speaker0: Auch das ist eine Schutzreaktion der Natur.

Speaker0: Und auch so versucht sich dein Körper zu schützen.

Speaker0: Und das passiert eben auch, wenn du Jahre, Jahrzehnte lang Masken aufziehst

Speaker0: und den wirklichen Kontakt zu dir verlierst,

Speaker0: Und du versuchst dadurch dann auch, nicht wirklich gesehen zu werden,

Speaker0: dich klein zu machen, keine Angriffsfläche zu bieten.

Speaker0: Und vielleicht kennst du auch das Gegenteil. Auch das ist möglich,

Speaker0: dass du statt leise laut wirst, dass du dich ständig erklärst,

Speaker0: dass du dich verteidigst, dass du immer wieder in diesem

Speaker0: Erklärmodus, in dem Konfliktmodus, in dem Verteidigungsmodus bist,

Speaker0: und dass du auch immer mehr leistest.

Speaker0: Auch das kann eine Reaktion auf Scham sein.

Speaker0: Und ich persönlich habe auch hier etwas gebraucht, bis ich kapiert habe,

Speaker0: wo bei mir die Scham schlummert, wo sie sich versteckt hat.

Speaker0: Wenn ich versucht habe, es immer allen recht zu machen, mich ständig erklärt

Speaker0: habe, mich immer wieder verteidigt habe.

Speaker0: Denn manche Menschen verstecken ihre Scham eben nicht hinter Rückzug,

Speaker0: sondern hinter Leistung.

Speaker0: Und sie beweisen jeden Tag aufs Neue, dass sie wertvoll sind.

Speaker0: Und das Schlimme daran ist, egal wie viel sie erreichen, das kann noch so viel

Speaker0: sein, das kann noch so viel Geld sein und das geht nicht nur ums Materielle,

Speaker0: es kann noch so viel sein.

Speaker0: Seien mit der Familie, dass sie sich wirklich aufopfern, im Freundeskreis, was auch immer.

Speaker0: Egal was sie tun, egal wie viel sie erreichen, es fühlt sich nie genug an.

Speaker0: Und das nicht, weil sie undankbar sind, sondern weil die Scham eben niemals

Speaker0: durch Leistung verschwindet.

Speaker0: Und ich persönlich finde, das ist einer der traurigsten Kreisläufe überhaupt,

Speaker0: denn je mehr wir uns schämen, desto mehr leisten wir.

Speaker0: Je mehr wir leisten, desto mehr entfernen wir von uns selbst.

Speaker0: Und je weiter wir von uns selbst entfernen, desto stärker wird die Scham.

Speaker0: Was für ein krasser Kreislauf, oder? Wenn wir uns das mal anschauen.

Speaker0: Und dieser Kreislauf entwickelt sich oft über Jahrzehnte. Nicht über Monate,

Speaker0: nicht über Jahre, sondern wirklich Jahrzehnte.

Speaker0: Bis wir dann irgendwann glauben, so bin ich eben.

Speaker0: Nein, so bist du nicht. So hast du gelernt zu überleben.

Speaker0: Und das ist ein verdammt großer Unterschied.

Speaker0: Und genau hier möchte ich dir etwas mitgeben. Etwas, das du vielleicht heute

Speaker0: zum ersten Mal wirklich glauben kannst.

Speaker0: Du bist nicht deine Schutzstrategie. Du bist nicht dein People Pleasing.

Speaker0: Du bist nicht dein Perfektionismus.

Speaker0: Du bist nicht deine Anpassung. Du bist nicht deine Angst.

Speaker0: Das sind alles Antworten auf deine Erfahrungen.

Speaker0: Aber sie sind nicht deine Identität.

Speaker0: Und unter all diesen Schichten gibt es einen Menschen, der nie kaputt war.

Speaker0: Vielleicht war dieser Mensch verletzt, vielleicht war dieser Mensch erschöpft,

Speaker0: vielleicht war dieser Mensch voller Sehnsucht, aber er war niemals falsch.

Speaker0: Und ich wünsche mir so sehr, dass du diesem Menschen, dass du dir selbst heute

Speaker0: ein kleines Stückchen näher kommst.

Speaker0: Nicht indem du dich veränderst, sondern indem du aufhörst, gegen dich selbst zu kämpfen.

Speaker0: Und ich möchte dich zu einem kleinen Experiment einladen.

Speaker0: Denk einmal an einen Moment in deinem Leben, in dem du dich zutiefst geschämt hast.

Speaker0: Das kann wie bei mir eine Situation aus der Kindheit sein. Das kann eine Situation

Speaker0: aus dem Berufsalltag sein, aus Familiensituationen, Bewerbungsgespräche,

Speaker0: Dates, was auch immer. Schau mal, was da kommt, ganz spontan,

Speaker0: ohne groß drüber nachzudenken.

Speaker0: Vielleicht hat dich jemand bloßgestellt. Vielleicht wurdest du ausgelacht, so wie ich.

Speaker0: Vielleicht hat dich jemand kritisiert oder vielleicht wurdest du abgelehnt.

Speaker0: Oder vielleicht erinnerst du dich auch gar nicht konkret an eine Situation,

Speaker0: an einen Moment, sondern nur an dieses Gefühl.

Speaker0: Und dann hol dir mal die Situation oder das Gefühl vor deinem inneren Auge und

Speaker0: schließ für einen Augenblick die Augen.

Speaker0: Wenn du Auto fährst, lass die Augen natürlich geöffnet.

Speaker0: Und dann frag mal deinen Körper. Wo spüre ich dieses Gefühl?

Speaker0: Wo spüre ich Scham?

Speaker0: Nicht in deinen Gedanken, sondern wirklich in deinem Körper.

Speaker0: Nimm dir da mal einen Augenblick Zeit.

Speaker0: Vielleicht bemerkst du einen Druck auf deiner Brust, einen Kloß im Hals,

Speaker0: einen flachen Atem, einen verkrampften Bauch oder das Bedürfnis, dich klein zu machen.

Speaker0: Spür da mal rein.

Speaker0: Und dann öffne die Augen gerne wieder. Schreib das gerne auch mal in die Kommentare,

Speaker0: wo du das Gefühl gespürt hast, was da hochkam.

Speaker0: Und das ist eben das Wichtige. Scham ist keine Emotion, die nur in deinem Kopf existiert.

Speaker0: Sie lebt in deinem ganzen Nervensystem, in deinem ganzen Körper, in jeder Zelle.

Speaker0: Sie verändert deine Körperhaltung, deine Atmung, deinen Muskeltonus,

Speaker0: deinen Herzschlag und sogar deine Verdauung.

Speaker0: Ja, also achte da wirklich drauf.

Speaker0: Wie häufig habe ich es schon erlebt, dass Migräne, Verdauungsprobleme,

Speaker0: Leaky Gut, Reizdarm, Allergien, Hautentzündungen, Ekzeme, was auch immer,

Speaker0: dass hier die Scham mit im Spiel war.

Speaker0: Ein ganz wichtiger Satz, den ich möchte, dass du den heute mitnimmst und den

Speaker0: ich auch immer wieder gerne sage.

Speaker0: Dein Körper vergisst nichts.

Speaker0: Der Verstand kann versuchen, Erlebnisse zu verdrängen. Der Verstand kann die

Speaker0: Erlebnisse aufarbeiten.

Speaker0: Aber unser Körper verdrängt keine Erlebnisse.

Speaker0: Der Körper speichert Erfahrung nicht als Geschichte, sondern als Empfindung, als Gefühl.

Speaker0: Und vielleicht kennst du den Satz ja auch, ja, das Trauma steckt im Körper.

Speaker0: Und ich würde diesen Satz sogar noch erweitern. Auch Scham bleibt häufig im Körper gespeichert.

Speaker0: Und immer dann, wenn wir eine Situation erlebt haben, die unser Nervensystem

Speaker0: überfordert hat und wir sie nicht vollständig verarbeiten konnten,

Speaker0: tritt dieses Gefühl wieder auf.

Speaker0: Der amerikanische Traumatherapeut, ich glaube er heißt Peter Levine,

Speaker0: ich hoffe ich spreche es jetzt richtig aus,

Speaker0: Levine müsste er heißen, Peter Levine, ich bin mir da jetzt nicht ganz sicher,

Speaker0: beschreibt sehr eindrucksvoll, dass nicht das Ereignis selbst das Problem ist,

Speaker0: sondern immer die im Körper gebundene Überlebensenergie.

Speaker0: Und das macht einfach enormen Unterschied.

Speaker0: Das heißt, nicht die Situation, die du erlebt hast, hält dich gefangen,

Speaker0: sondern die Reaktion deines Nervensystems.

Speaker0: Und genau deshalb kann Heilung nicht alleine über Denken entstehen, über dein Gehirn.

Speaker0: Erinnerst du dich daran, was ich vorhin zum Thema Nervensystem und Bedrohung gesagt habe?

Speaker0: Und ich wiederhole es nochmal, weil es einfach so wichtig ist.

Speaker0: Für dein Nervensystem fühlt sich Ablehnung genauso bedrohlich an,

Speaker0: wie früher die Begegnung mit einem Raubtier.

Speaker0: Und was ich auch sagte, und vielleicht kennst du das ja auch von dir,

Speaker0: ja, ich weiß doch, dass ich gut genug bin, vielleicht kennst du diesen Satz,

Speaker0: vielleicht sagst du das auch immer wieder.

Speaker0: Und trotzdem fühlt sich es nicht so an.

Speaker0: Und warum? Warum ist das so?

Speaker0: Weil Wissen eben im Gehirn, im Neokortex entsteht.

Speaker0: Aber die Sicherheit, die für uns Menschen so wichtig ist, die Sicherheit entsteht im Nervensystem.

Speaker0: Und diese beiden Systeme sprechen nicht immer die gleiche Sprache.

Speaker0: Dein Kopf kann es längst verstanden haben, dass du wertvoll bist.

Speaker0: Doch dein Körper erinnert sich vielleicht immer noch daran, wie es bei dir als

Speaker0: kleines Mädchen, kleiner Junge oder was auch immer in welchen Situationen es war.

Speaker0: Wenn ich auffalle, wird es gefährlich.

Speaker0: Wenn ich Gefühle zeige, werde ich ausgelacht.

Speaker0: Wenn ich einen Fehler mache, verliere ich Liebe oder werde ausgelacht.

Speaker0: Und deshalb reagiert dein Körper heute immer noch so, als wäre diese Gefahr real.

Speaker0: Nicht weil du schwach bist, sondern weil dein Nervensystem dich schützen möchte.

Speaker0: Ja und das beschreibt auch die Polyvagal-Theorie sehr eindrucksvoll.

Speaker0: Unser autonomes Vernervensystem, das ist ein System, was in jedem Moment unseres Lebens das abcheckt.

Speaker0: Das kannst du dir wie so einen Autopiloten vorstellen, der im Auto ist und permanent

Speaker0: den Straßenverkehr sozusagen abcheckt.

Speaker0: So checkt unser autonomes Nervensystem jeden einzelnen Moment unseres Lebens ab.

Speaker0: Und es fragt sich permanent, bin ich sicher?

Speaker0: Es fragt sich nicht, bin ich erfolgreich? Es fragt auch nicht, bin ich perfekt?

Speaker0: Es fragt auch nicht, bin ich beliebt? Sondern es fragt permanent, bin ich sicher?

Speaker0: Und erinnere dich mal daran, wenn du entspannt auf einer Wiese sitzt,

Speaker0: die Blumen blühen, die Sonne scheint.

Speaker0: Was passiert denn in deinem Körper, wenn du Sicherheit erlebst?

Speaker0: Wenn du dir die Blumen anschaust, den Hummeln, den dicken Hummeln beim Fliegen,

Speaker0: zuschaust und dich vielleicht noch darüber kaputt lachst oder einfach nur in den Himmel schaust?

Speaker0: Was passiert, wenn du dich wirklich sicher fühlst?

Speaker0: Oder wenn du im Arm eines geliebten Menschen liegst, der die Sicherheit vermittelt? Was passiert da?

Speaker0: Dein Atem wird ruhiger. Dein Herzschlag wird harmonischer. Dein Blick wird weicher.

Speaker0: Du kannst lachen, du bist kreativ. Du kannst dich verbinden mit dir selbst.

Speaker0: Und du wirst vielleicht auch wieder neugierig.

Speaker0: Aber sobald dein Nervensystem eben die Gefahr wahrnimmt, verändert sich dein gesamter Organismus.

Speaker0: Und genau das passiert häufig bei Scham.

Speaker0: Viele Menschen halten sogar unbewusst den Atem an.

Speaker0: Vielleicht ist dir das schon mal aufgefallen, dass das bei dir auch passiert,

Speaker0: wenn dich jemand kritisiert, dass du vielleicht plötzlich kaum noch atmest.

Speaker0: Das ging mir auch lange so in stressigen Situationen, dass ich aufgehört habe zu atmen.

Speaker0: Und das hat eine Zeit lang gedauert, bis ich das auch bearbeitet habe.

Speaker0: Und warum ist das so? Weil dein Körper eben in den Schutzmodus wechselt.

Speaker0: Und genau deshalb arbeite ich so unglaublich gerne mit Breathwork,

Speaker0: Atemübungen, Visualisierungen, EFT,

Speaker0: aber vor allem eben mit dem Atem, weil der Atem eine der wenigen Funktionen unseres Körpers ist,

Speaker0: die sowohl automatisch passiert, aber die wir eben auch bewusst steuern können.

Speaker0: Der Atem ist die Brücke zwischen Körper und Geist, zwischen Stress und Sicherheit,

Speaker0: zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Speaker0: Und wenn wir lernen, wieder tief und bewusst zu atmen, senden wir unserem Nervousystem

Speaker0: eben eine neue Botschaft und erwartet die Botschaft, ich bin jetzt sicher.

Speaker0: Und genau das kann der erste Schritt sein, die alte Scham loszulassen,

Speaker0: indem wir praktisch den Check-In, was dein autonomes Nervensystem permanent

Speaker0: macht, ein bisschen austricksen, würde ich jetzt mal ganz halopp.

Speaker0: Und wenn wir uns aus Sicht der traditionellen chinesischen Medizin mit der Scham

Speaker0: beschäftigen, auch in den Ernährungsberatungen, die TCM Ernährungsberatungen, wenn ich die mache,

Speaker0: kommen wir auch immer wieder auf die Emotionen zu sprechen und auch da in der

Speaker0: TCM ist die Scham kein isoliertes Gefühl.

Speaker0: Und spannend ist dann auch, wenn man am Anfang denkt, ich muss die Ernährung

Speaker0: umstellen, dass dann häufig,

Speaker0: manchmal noch ein bisschen mehr drunter liegt, als wir eigentlich dachten,

Speaker0: dass wir dann anfangen, Gefühle, Emotionen da genauer hinzuschauen und eben

Speaker0: nicht nur die Ernährung optimieren.

Speaker0: Und das macht auch immer Sinn, weil auch die TCM ja eben ganzheitlich denkt,

Speaker0: Und.

Speaker0: Wir da schon schauen sollten, was denn da die Ursache ist und warum wir die

Speaker0: Ernährung auch optimieren wollen.

Speaker0: Jetzt bin ich ein bisschen abgekommen von roten Faden, aber es ist einfach wichtig,

Speaker0: weil auch wenn wir uns so eine alte traditionelle,

Speaker0: Medizin anschauen, auch da weiß man, dass die Emotionen unglaublich den Fluss

Speaker0: des Cheese beeinflussen.

Speaker0: Die Emotionen wirken auf die Organe, ihren Funktionskreisen und ein Mensch,

Speaker0: der eben über lange Zeit Scham erlebt hat, der zieht sich häufig zusammen.

Speaker0: Und das Herz, der Sitz des Shen,

Speaker0: also unseres Geistes, das kann sich dann durch nicht mehr frei öffnen.

Speaker0: Und dann fängt die Milz an zu krübeln und die Lunge wird eng, der Atem flach.

Speaker0: Die Leber staut Emotionen, wenn wir das, was wir fühlen, ständig unterdrücken.

Speaker0: Dann entsteht ein Kreislauf. Unterdrückte Gefühle führen immer zu einer inneren

Speaker0: Anspannung und die Anspannung beeinflusst den Energiefluss,

Speaker0: und der gestörte Energiefluss verstärkt dann wiederum die körperlichen Symptome.

Speaker0: Und so kann sich Scham auf ganz unterschiedliche Weise zeigen.

Speaker0: Nicht, weil sie allein Krankheiten verursacht, sondern weil chronischer Stress,

Speaker0: und dann eben die dauerhaften emotionalen Belastungen den Körper einfach stark beanspruchen.

Speaker0: Und häufig kommt es dann eben zu Symptomen, zu Signalen.

Speaker0: Ein Teil hatte ich ja vorhin schon erwähnt, wie Atem anhalten,

Speaker0: die flache Atmung oder dass der Kiefer zusammengepresst wird,

Speaker0: dass der Nacken ständig verspannt ist, Verdauungsbeschwerden, Reizdarm, Leaky Gut,

Speaker0: was auch immer, Migräne, Hautprobleme, Allergien, Erschöpfung,

Speaker0: Schlafprobleme, das Gefühl nie wirklich zur Ruhe zu kommen.

Speaker0: Ja, da passiert so viel im Körper.

Speaker0: All das kann Ausdruck eines Nervensystems sein, das seit Jahren versucht, dich zu schützen.

Speaker0: Nicht, weil mit dir eben etwas nicht stimmt, sondern weil dein Körper so unglaublich loyal ist.

Speaker0: Dein Körper versucht immer, dein Überleben zu sichern.

Speaker0: Und genau deshalb beginnt die Heilung eben nicht mit Selbstoptimierung,

Speaker0: sondern sie beginnt mit Mitgefühl.

Speaker0: Mit der Bereitschaft, den eigenen Körper nicht länger als Gegner zu betrachten,

Speaker0: sondern als treuer Begleiter.

Speaker0: Denn vielleicht hat dein Körper, wenn du solche Symptome hast,

Speaker0: ja denk mal drüber nach, vielleicht hat dein Körper nie gegen dich gearbeitet.

Speaker0: Vielleicht hat er die ganze Zeit für dich gearbeitet, mit den Möglichkeiten,

Speaker0: die ihm eben zur Verfügung standen.

Speaker0: Und alleine dieser Gedanke kann unglaublich befreiend sein, wenn du mal anfängst,

Speaker0: es von der anderen Seite zu sehen.

Speaker0: Der Körper versucht dich immer vor irgendetwas zu schützen.

Speaker0: Der Körper ist sowas unglaublich Loyales. Der will dich nicht bekämpfen.

Speaker0: Denk da wirklich mal drüber nach, wenn bei dir auch Symptome wie Migräne,

Speaker0: Ekzeme, vielleicht auch seit der Kindheit, Allergien seit der Kindheit,

Speaker0: Verdauungsstörungen, all das, was ich gerade genannt habe, wenn all das auftaucht.

Speaker0: Und ich wünsche mir so sehr, dass du heute etwas ganz Wichtiges mitnimmst.

Speaker0: Du musst deinen Körper nicht besiegen. Du musst deinen Körper nicht kontrollieren.

Speaker0: Du musst deinen Körper nicht reparieren.

Speaker0: Du darfst lernen, deinem Körper wieder zuzuhören.

Speaker0: Denn dein Körper ist was unglaublich Faszinierendes. und dein Körper hat eine ganz eigene Sprache.

Speaker0: Und dein Körper spricht die Sprache der Wahrheit.

Speaker0: Und manchmal erzählt er dir ganz genau dort von deiner Scham,

Speaker0: wo Worte längst nicht mehr ausreichen.

Speaker0: Denk da mal drüber nach, wenn wirklich Symptome bei dir auftauchen.

Speaker0: Ja, melde dich da gerne auch. Lass uns kurz mal schauen, wie wir dir da helfen können.

Speaker0: Es ist so unglaublich wichtig, dass wir das verstehen, denn ich erlebe es immer,

Speaker0: immer wieder, dass jahrelang an irgendwelchen Symptomen,

Speaker0: wirklich so ein bisschen herumgedoktert wird, ausprobiert wird,

Speaker0: alles Mögliche gemacht wird.

Speaker0: Ja und ich bin jetzt keine Ärztin, aber trotzdem erlebe ich es immer wieder,

Speaker0: dass da so viel ausprobiert wird und die Ursache ist eine ganz andere.

Speaker0: Und wenn wir uns dann die Emotionen genauer anschauen, dann kann einfach unglaublich viel passieren.

Speaker0: Und vielleicht hast du jetzt während dieser Folge an einige Situationen aus deinem Leben gedacht.

Speaker0: An Momente, in denen du dich klein gefühlt hast. An Worte, die sich vielleicht

Speaker0: auch tief in deinen Herzen eingebrannt haben.

Speaker0: An Blicke, die mehr gesagt haben als tausend Sätze. Und vielleicht hast du auch

Speaker0: gemerkt, wie dein Körper reagiert.

Speaker0: Und dann kann ich nur sagen, herzlichen Glückwunsch, denn wenn du das gemerkt

Speaker0: hast, dann ist das bereits der erste Schritt in die richtige Richtung.

Speaker0: Denn die Scham verliert ihre Macht in den Momenten, in dem wir bereit sind hinzuschauen,

Speaker0: wenn wir anfangen Licht in die Dunkelheit zu schicken.

Speaker0: Vielleicht erinnerst du dich noch an das Samenkorn, was ich gesagt habe.

Speaker0: Die Scham ist das Samenkorn in der Dunkelheit, in der Kälte.

Speaker0: Aber wenn wir anfangen, Licht, Wasser, Wärme dorthin zu schicken,

Speaker0: dann kann das Pflänzchen wachsen.

Speaker0: Und es ist so wichtig, dass du anfängst dahin zu schauen, nicht um dich zu verurteilen,

Speaker0: sondern um dich wirklich zu verstehen.

Speaker0: Denn ich persönlich glaube, du kannst ja ganz anderer Meinung sein,

Speaker0: aber ich persönlich glaube, dass wir einen Großteil unseres Lebens damit verbringen,

Speaker0: vor bestimmten Gefühlen davon zu laufen.

Speaker0: Wir arbeiten mehr, wir essen mehr, wir scrollen länger am Handy,

Speaker0: wir kaufen ein, wir helfen anderen Menschen, wir optimieren uns.

Speaker0: Und das machen wir nicht, weil wir oberflächlich sind, sondern weil wir hoffen,

Speaker0: das unangenehme Gefühl dadurch endlich loszuwerden.

Speaker0: Doch Gefühle verschwinden nicht dadurch, dass wir schneller laufen.

Speaker0: Nein, Gefühle warten. Ganz geduldig. Manchmal jahrelang, manchmal auch jahrzehntelang.

Speaker0: Bis wir bereit sind, Ihnen zuzuhören. Und vielleicht ist genau heute dieser Moment.

Speaker0: Und wenn dieser Moment heute ist, dann freue ich mich von Herzen.

Speaker0: Schreib mir das gerne mal in den Kommentar rein. Ja, lass mich daran teilhaben.

Speaker0: Und ich lade dich jetzt dazu ein, eine kleine Reise mit mir zu machen.

Speaker0: Wenn du gerade Auto fährst, dann hör einfach weiter zu, lass die Augen geöffnet.

Speaker0: Wenn du an einem Ort bist, an dem du dich einen Moment entspannen kannst,

Speaker0: in dem du ungestört bist, dann schließ gerne die Augen und ich lade dich dazu ein.

Speaker0: Atme einmal tief durch die Nase ein,

Speaker0: und langsam durch den Mund wieder aus.

Speaker0: Und noch einmal ein und aus.

Speaker0: Und dann spüre mal den Boden unter deinen Füßen oder den Stuhl,

Speaker0: auf dem du gerade sitzt oder die Matatze, auf der du gerade liegst, was auch immer.

Speaker0: Und lass deine Schultern ganz weich werden.

Speaker0: Und dann stell dir mal vor, du gehst einen kleinen Waldweg entlang.

Speaker0: Und der Waldweg ist ruhig und die Sonne fällt durch die Blätter und du hörst

Speaker0: Vögel zwitschern und riechst den Duft des Waldes,

Speaker0: und mit jedem Schritt wird dein Atem ruhiger und am Ende dieses Weges siehst

Speaker0: du ein Kind es ist vielleicht ungefähr 4 Jahre, 5 Jahre schau einfach was da

Speaker0: gerade kommt Und vielleicht ist es auch zehn.

Speaker0: Und dieses Kind sitzt dort ganz allein.

Speaker0: Und es hat die Schultern leicht nach vorne gezogen. Und der Blick ist auf den Boden gerichtet.

Speaker0: Und du weißt sofort, dieses Kind bist du.

Speaker0: Nicht die erwachsene Version von dir.

Speaker0: Sondern der Teil in dir,

Speaker0: der irgendwann begonnen hat zu glauben, ich bin nicht richtig.

Speaker0: Und dann geh langsam zu diesem Kind und setz dich neben das Kind.

Speaker0: Und du musst überhaupt nichts sagen, bleib einfach da.

Speaker0: Denn manchmal braucht Heilung keine großen Worte.

Speaker0: Nur jemanden, der bleibt.

Speaker0: Und nach einer Weile schaut dich das Kind an.

Speaker0: Vielleicht vorsichtig, vielleicht traurig,

Speaker0: vielleicht auch voller Sehnsucht.

Speaker0: Und dann nimm einmal seine kleine Hand in deine Hand.

Speaker0: Und dann sprich langsam für dich oder auch laut, Satz für Satz.

Speaker0: Mit dir war nie etwas falsch.

Speaker0: Du musstest nur Dinge glauben, die nie die Wahrheit waren.

Speaker0: Du musst dich nicht mehr verstecken,

Speaker0: Du musst dir Liebe nicht verdienen,

Speaker0: Du musst nicht perfekt sein,

Speaker0: Du bist willkommen Du bist so unglaublich geliebt,

Speaker0: und ich verspreche dir, ich werde dich nie wieder alleine lassen.

Speaker0: Und dann bleib nochmal einen Moment bei diesem Kind.

Speaker0: Vielleicht lächelt es,

Speaker0: vielleicht weint es und du hältst es im Arm,

Speaker0: Vielleicht sagt es auch nichts.

Speaker0: Das ist alles vollkommen richtig.

Speaker0: Und dann komme langsam zurück. Beweg deine Hände, deine Füße, öffne deine Augen.

Speaker0: Herzlich willkommen zurück im Hier und Jetzt.

Speaker0: Schön, dass du wieder da bist und atme noch einmal einen Moment für dich durch.

Speaker0: Und wenn du magst, teile das auch gerne mal in den Kommentaren,

Speaker0: wie es dir nach der Begegnung mit deinem Kind ging.

Speaker0: Denn all das, all diese alten Gefühle loszulassen, das passiert nicht auf Knopfdruck.

Speaker0: Das passiert, wenn wir aufhören, von uns selbst davon zu laufen.

Speaker0: Und ich glaube,

Speaker0: dass wir oft unser ganzes Leben versuchen, die Liebe im Außen zu finden,

Speaker0: die wir uns selbst nie schenken konnten.

Speaker0: Und wir hoffen, dass andere uns bestätigen, uns sehen, uns wählen, uns genug finden.

Speaker0: Doch solange wir glauben, dass mit uns etwas nicht stimmt, wird selbst die größte

Speaker0: Liebe von außen dieses Gefühl nie vollständig füllen können.

Speaker0: Nicht weil wir undankbar sind, sondern weil die tiefste Beziehung unseres Lebens

Speaker0: die Beziehung zu uns selbst ist.

Speaker0: Und genau dort beginnt echte Freiheit.

Speaker0: Nicht, wenn niemand mehr Fehler

Speaker0: sieht, sondern wenn die Fehler nichts mehr darüber aussagen, wer wir sind.

Speaker0: Und nicht, wenn uns jemand liebt, sondern wenn wir uns selbst nicht mehr verlassen.

Speaker0: Und nicht, wenn wir perfekt sind, sondern wenn wir uns erlauben, ganz Mensch zu sein.

Speaker0: Und vielleicht nimmst du heute nur einen einzigen Satz aus dieser Folge mit,

Speaker0: und dann würde ich mir total wünschen, dass es dieser Satz ist.

Speaker0: Die Scham sagt, mit dir stimmt etwas nicht, aber die Liebe sagt,

Speaker0: mit dir war nie etwas falsch.

Speaker0: Und jeden Tag, an dem du dich für Liebe statt für Scham entscheidest,

Speaker0: schreibst du die Geschichte deines Nervensystems neu.

Speaker0: Und das ist unglaublich wichtig, dass du das verstehst.

Speaker0: Das passiert nicht auf einmal, nicht über Nacht, aber mit jeder Situation,

Speaker0: mit jedem Atemzug, wo du dich für Liebe, Mitgefühl statt für Scham entscheidest,

Speaker0: schreibst du die Geschichte deines Nervensystems neu.

Speaker0: Bei jeder Bewegung, bei jeder Alltagssituation, Mitgefühl für Mitgefühl.

Speaker0: Und deshalb war es mir so unglaublich wichtig, dass wir heute oder dass ich

Speaker0: mit dir heute über das Thema Scham spreche, dass wir uns anschauen,

Speaker0: was ist die Scham, was passiert im Körper bei Scham, wo im Körper kann Scham gespeichert werden.

Speaker0: Und.

Speaker0: Zum Abschluss möchte ich dir noch etwas Persönliches mitgeben.

Speaker0: Wenn du dich in dieser Folge wiedergefunden hast, dann möchte ich,

Speaker0: dass du weißt, du bist nicht alleine.

Speaker0: Alle Menschen, wirklich alle Menschen

Speaker0: tragen Scham in sich und glauben gleichzeitig, sie seien die Einzigen.

Speaker0: Und das ist eben die größte Lüge der Scham. Sie trennen uns voneinander.

Speaker0: Dabei sind wir gerade in unserer Verletzlichkeit am meisten miteinander verbunden.

Speaker0: Und vielleicht ist das der mutigste Schritt, den wir gehen können,

Speaker0: nicht perfekt zu werden, sondern uns mit unseren Narben zu zeigen.

Speaker0: Denn dort, wo wir uns ehrlich zeigen, entsteht etwas Wunderschönes und das ist

Speaker0: nicht Mitleid, sondern echte Verbindung.

Speaker0: Und vielleicht beginnt genau heute deine Reise zurück zu dir.

Speaker0: Nicht zu deiner besseren Version von dir, sondern zu der Frau,

Speaker0: zu dem Menschen, zu dem Mann, der du einfach schon immer warst,

Speaker0: bevor die Scham dir angeredet hat, dass du jemand anders sein musst.

Speaker0: Und ich danke dir von Herzen, dass du heute mit dabei warst.

Speaker0: Die Podcast-Folge ist doch länger geworden, als ich gedacht habe oder als ich

Speaker0: mir vorgenommen habe. Es war mir so unglaublich wichtig, da heute auch nochmal drüber zu sprechen.

Speaker0: Und wenn dich diese Folge berührt hat, freue ich mich total,

Speaker0: wenn du sie mit einem anderen Menschen teilst, der sie auch vielleicht gerade

Speaker0: hören darf, für den das Thema auch wichtig ist.

Speaker0: Wenn du mir eine 5 Sterne Rezession auf einen deiner Podcast Anbieter hinterlässt.

Speaker0: Wenn du mir in den Kommentaren deine Erkenntnisse teilst.

Speaker0: Wenn du noch tiefer damit reingehen möchtest, dann schau gerne auf meiner Homepage vorbei.

Speaker0: Dann können wir gerne unverbindlich ein Gespräch führen und schauen, ob ich dir helfen kann.

Speaker0: Bis zur nächsten Podcast Folge. Ich danke dir von Herzen für deinen Raum,

Speaker0: für deine Zeit, für dein Sein, dafür, dass du diesen Podcast immer wieder hörst.

Speaker0: Und denk da bitte immer dran, du musst dir deinen Wert nicht verdienen.

Speaker0: Du bist wertvoll, einfach weil du bist.

Speaker0: Smile and Breeze, deine Nathalie.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.